Schutz landwirtschaftlicher Böden

Warum sollten wir uns um unsere Böden kümmern?


Die Ökosystemleistungen des Bodens gehen weit über die Nahrungsmittelproduktion hinaus, doch ihre derzeitige
Bewirtschaftung ist nicht nachhaltig. Der Druck durch Bauvorhaben (Gebäude, Verkehrs- und
Energieinfrastrukturen) sowie durch verschiedene menschliche Aktivitäten führt zu quantitativen und qualitativen Beeinträchtigungen mit irreversiblen Folgen.

 

Der Boden ist jedoch eine Ressource, die auf menschlicher Ebene nicht erneuerbar ist. Die meisten Böden in der Schweiz stammen aus der letzten Eiszeit, d. h. sie haben sich in den letzten 10'000 Jahren gebildet. Jede Verschlechterung stellt daher einen Verlust dar, der kurz- oder mittelfristig nur schwer auszugleichen ist, was die Dringlichkeit ihrer Erhaltung noch verstärkt.

 

Aufgabe der Dienststelle für Landwirtschaft

Die Dienststelle für Landwirtschaft (DLW) ist in Zusammenarbeit mit der Dienststelle für die Umwelt (DUW), der Dienststelle für Raumentwicklung (DRE), der Dienststelle für Wald, Natur und Landschaft (DWNL) sowie den Gemeinden für die Überwachung zum langfristigen Erhalt der Böden verantwortlich:

  • Beobachtung, Überwachung und Beurteilung der physischen Qualität der landwirtschaftlichen Böden, sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht;
  • Vorabprüfung von Baugesuchen für alle Projekte in landwirtschaftlichen Gebieten, die potenzielle Auswirkungen auf den Boden haben;
  • Sensibilisierung der verschiedenen Akteure, die den Boden nutzen oder bewirtschaften;
  • Überwachung der Einhaltung der kantonalen Quote (in enger Zusammenarbeit mit der DRE) und Schutz der Fruchtfolgeflächen (FFF);
  • Zentralisierung, Präzisierung und Ergänzung der Walliser Bodendaten in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Kompetenzzentrum für Böden (KOBO-VS) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit dem Ziel, langfristig eine Kartografie der Walliser Böden zu erstellen.

 

 

Aktuelle Situation im Wallis

In der Schweiz verschwinden jedes Jahr rund 3’500 Hektaren Landwirtschaftsfläche. Im Kanton Wallis verläuft dieser Rückgang jedoch doppelt so schnell, was bedeutet, dass bei gleichbleibendem Tempo die gesamten landwirtschaftlichen Flächen in 200 Jahren verschwunden sein könnten (vgl. Abbildung 1). Noch kritischer ist die Lage im Rhonetal: In den letzten 30 Jahren haben die Siedlungs- und Infrastrukturflächen dort um mehr als 50% zugenommen – dreimal schneller als im Landesdurchschnitt. Setzt sich dieser Trend fort, wäre die Ebene innerhalb von nur einem Jahrhundert vollständig urbanisiert.

 


Abbildung 1. Reserven an nutzbaren Landwirtschaftsflächen, falls der Verlust an Agrarland im aktuellen Tempo weitergeht (Schutz des Kulturlandes – Bilanzen und Herausforderungen, BLW, Bern 2012)

 

Eine strategische Herausforderung für das Wallis

Die Erhaltung der Landwirtschaftsböden stellt für den Kanton Wallis eine zentrale strategische Aufgabe dar. Sie ist nicht nur entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, sondern auch für die Unterstützung der kantonalen Wirtschaft, in der die Landwirtschaft eine Schlüsselrolle spielt.

Über die Ernährungs- und Wirtschaftsaspekte hinaus erbringen die Walliser Landwirtschaftsböden zudem eine Reihe unverzichtbarer Ökosystemleistungen für die Gesellschaft:

  • Minderung des Klimawandels (Kohlenstoffspeicherung)
  • Filterung und Versickerung des Regenwassers
  • Erhaltung der Biodiversität und der natürlichen Kreisläufe.

 

Wachsende Belastung der besten Böden

Der menschliche Druck durch Bauten – Gebäude, Verkehrs- und Energieinfrastrukturen, Sicherheitsmaßnahmen sowie die Nutzung von Rohstoffen im Untergrund – nimmt stetig zu, insbesondere in der Rhoneebene. Gerade dort befinden sich die fruchtbarsten Böden des Kantons, darunter die Fruchtfolgeflächen (FFF), die für die Gewährleistung der Ernährungssicherheit von zentraler Bedeutung sind.

 

Eine kantonale und bundesweite Herausforderung

Die quantitative und qualitative Erhaltung der Landwirtschaftsböden ist somit entscheidend für die kurz- und langfristige Zukunft der territorialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Kantons. Sie ist ebenfalls durch die Bundesgesetzgebung eingerahmt, die dem Kanton auferlegt, Raumplanung und Schutz der Landwirtschaftsflächen miteinander zu vereinbaren.

Diese Themen fügen sich zudem in einen breiteren strategischen Rahmen ein, in Verbindung mit der Nationalen Bodenstrategie der Schweiz und dem NFP 68: die Ressource Boden nachhaltig nutzen.

 

Frédéric Schlatter - Kantonaler Bodenkundler

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