Marie-Rose Zingg (1897-1975)
Citation
Die Behörden müssen sich unbedingt mit Liebe über die kleinen Bettchen der Armen beugen und sich der Kinder und der verstossenen Frauen annehmen.
Illustration : Pauline Berger / Lesung: Annalena Miano
Porträt
Es ist wohl meiner eigenen Situation geschuldet, dass ich für die Fragen der Kinderpolitik so empfänglich wurde. Im Alter von drei Jahren verliere ich meine Mutter. Mein Vater kann sich nicht um mich kümmern. So werde ich mehrere Jahre lang zwischen der Schweiz und Frankreich hin und her geschoben. Aus gesundheitlichen Gründen werde ich schliesslich ins Wallis geschickt, wo ich bleiben darf. Ich werde Typistin bei der Walliser Handelskammer. Ein Thema berührt mich besonders: Das Leid, das die Mütter von Grossfamilien, die unverheirateten Mütter und die Kinder aus armen Verhältnissen ertragen müssen. Dieser Teil der Bevölkerung erhält zur damaligen Zeit keinerlei Unterstützung seitens der Regierung. 1931 beschliesse ich, die Pouponnière valaisanne, eine Heimstätte für Kinder im Säuglings- und Vorschulalter, zu gründen. Sie beginnt als «einfache» Einrichtung zur Aufnahme von Waisenkindern, von Kindern aus Familien in schwierigen Verhältnissen oder ganz einfach von Kindern, deren Eltern sich tagsüber nicht um sie kümmern können. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sie sich zu einer Einrichtung, die eine Kinderpflegerinnenschule, eine Entbindungsstation sowie ein Zufluchtsort für junge unverheiratete Frauen, die oftmals von ihrer eigenen Familie verstossen wurden, bietet. Sie wird zur Vorzeigeinstitution der Kleinkinderpolitik im Wallis.
Weiterführende Informationen
BILLE Corinna, «Une œuvre d’amour», La Femme d’aujourd’hui, Nr. 9, 1945, S. 258-259.
VOUILLOZ-BURNIER Marie-France, Übersetzung: Ivo Berther, «Zingg, Marie-Rose», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.01.2025. Online: < https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/062106/2025-01-27/>, Stand: 29.01.2026.
CH AEV, SP, 5710-1, Nr. 319, Bericht von Marie-Rose Zingg zur Reportage «Die Nation» zugunsten der Pouponnière valaisanne in Sitten, Mai 1944.
= VOUILLOZ-BURNIER Marie-France, Marie-Rose Zingg et la Pouponnière valaisanne. Une pionnière de l’accueil de la petite enfance, Sion, Cahiers de Vallesia 34, 2021, S. 67.
VOUILLOZ-BURNIER Marie-France, Marie-Rose Zingg et la Pouponnière valaisanne. Une pionnière de l’accueil de la petite enfance, Sion, Cahiers de Vallesia 34, 2021.
VOUILLOZ-BURNIER Marie-France und GUNTERN ANTHAMATTEN Barbara, Valaisannes d’hier et d’aujourd’hui - Walliserinnen gestern und heute, Editions Monographic, Sierre; Rottenverlag, Visp, 2003, S. 101-105. [TXS1]
[TXS1]Gleicher Kommentar wie bei Nr. 17 Rey Hélène: Falls das Porträt in diesem Werk zweisprachig abgedruckt wurde, bitte Seitenzahlen der deutschen Fassung einfügen.
Fachgebiet Gesundheit
Periode 20. Jahrhundert
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