Mobilität, Raumentwicklung und Umwelt

Paradigmenwechsel

Zwar bringt jedes Jahr seine Herausforderungen mit sich, doch 2023 war von gleich mehreren Paradigmenwechseln geprägt.

Das sich verändernde Klima zwingt uns, unsere Beziehung zu den lebenswichtigen Ressourcen Wasser und Energie zu überdenken. Die lange erwartete Ernennung eines Delegierten für Wasserfragen bietet die Möglichkeit, diese multifunktionale Ressource Wasser auf respektvolle und koordinierte Weise zu bewirtschaften und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. Die Ablehnung des Dekrets zur Beschleunigung des Baubewilligungsverfahrens für Photovoltaik-Grossanlagen durch das Volk, bedeutet kein «Nein» zu den Anlagen als solchen. In Bezug auf die Raumplanung geht es nun darum, unter Beachtung des geltenden Rechts eine Interessenabwägung vorzunehmen und dabei den uns gegebenen Handlungsspielraum bestmöglich zu nutzen.

Meteorologische Gefahren beeinträchtigen zusehends die Sicherheit und Qualität unserer Infrastrukturen. Sommerliche Trockenheit, Erdrutsche und andere Terrainverschiebungen setzen unsere Strasseninfrastruktur und unsere Schutzwälder, und damit die Sicherheit der Bevölkerung, unter Druck. All diese Ereignisse bestärken uns darin, dass ein koordiniertes Naturgefahrenmanagement das richtige ist, zumal solche Situationen in Zukunft häufiger auftreten werden und damit einen Kostendruck ausüben, während die finanziellen Mittel tendenziell abnehmen. Das Ziel, sichere und qualitativ hochwertige Zufahrten zu allen Regionen des Kantons zu gewährleisten, ist mehr denn je eine Herausforderung.

Der Bau der Autobahn A9 im Oberwallis verläuft planmässig, und das Ziel, die Autobahn zwischen Leuk/Susten und Brig im Jahr 2026 in Betrieb zu nehmen, bleibt bestehen.

Was die Paradigmenwechsel betrifft, so strebt der neue kantonale Abfallbewirtschaftungsplan eine grundlegende Veränderung der Produktions- und Konsumgewohnheiten an, um die Abfallerzeugung zu begrenzen.

Der Umgang mit schadstoffbelasteten Böden wird uns noch viele Jahre beschäftigen. Die Sanierung der Deponie Gamsenried oder der quecksilberbelasteten Böden im Oberwallis sowie der Umgang mit PFAS haben dabei Priorität und kommen, unter Mitwirkung der betroffenen Parteien, zufriedenstellend voran.

In diesem anspruchsvollen Umfeld bin ich stolz auf die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DMRU, die jeden Tag dazu beitragen, ein Wallis zu gestalten, in dem es sich gut leben und arbeiten lässt.

Franz Ruppen
Staatsrat

Mobilität 2040

Die Umsetzung der kantonalen Mobilitätsstrategie 2040 geht voran, unter anderem mit dem Beginn der Bauarbeiten an der Erneuerung der Ortsdurchfahrt von Vétroz und der Errichtung der Langsamverkehrsbrücken über die Borgne und die Autobahn A9, welche die Stadt Sitten mit dem Spitalstandort verbinden.

Unter erheblichem Aufwand wurde zusammen mit den Gemeinden an der Instandsetzung des Kantonsstrassennetzes und am Planungsbeginn für den Alltagslangsamverkehr auf kantonalen Infrastrukturen gearbeitet.

Illustrationsbild

Kantonsstrassen

Von besonderer Bedeutung im Jahr 2023 waren der Entschluss, bei den Deklassierungen eine Pause einzulegen, sowie die Teilrevision des Strassengesetzes.

Zu den vielen Herausforderungen des Jahres 2023 gehörte auch wieder der Zustand des Kantonsstrassennetzes in einem alpinen Umfeld, das hohe Anforderungen an die Infrastruktur stellt. Um sich dieser Herausforderung zu stellen, überarbeitet die Dienststelle für Mobilität (DFM) ihre Unterhaltspolitik von Grund auf. Zunehmende Belastungen (Anzahl Fahrzeuge, Tonnagen, Naturgefahren) verbunden mit sich immer weiter entwickelnden normativen Anforderungen (Sicherheit, Umwelt etc.) wirken auf ein weitläufiges Strassennetz ein, das hauptsächlich in den 1960er und 1970er Jahren gebaut wurde und sich dem Ende seines Lebenszyklus nähert. Daher sind die personellen und finanziellen Mittel, die für die Substanzerhaltung dieses Netzes benötigt werden, erheblich.

Im Jahr 2023 gab es zwei Unwetterereignisse, eines im November und ein zweites im Dezember, welche die kantonale Infrastruktur stark beschädigten. Die auf rund zehn Millionen Franken geschätzte Schadenssumme wird auf die Rechnungsjahre 2023 und 2024 verteilt.

Über 50 solcher Projekte befinden sich heute in unterschiedlichen Stadien der Planung und Entwicklung. Mehrere Neugestaltungen wurden 2023 zur öffentlichen Auflage gebracht, wie die Ortsdurchfahrten von Gletsch, Hérémence, Uvrier/St-Léonard oder Ardon. Weitere Erneuerungen werden derzeit im Hinblick auf eine öffentliche Auflage im Jahr 2024 geprüft, darunter die Ortsdurchfahrten von Turtmann und Stalden, die Erneuerung der Ortszentren von St-Germain und Roumaz in Savièse, die Ortsdurchfahrt von Massongex oder auch der Ortsteil Vieux Pont/Place centrale in Monthey.

Die DFM führte im Jahr 2023 auf den folgenden grossen Baustellen Arbeiten aus:

Unterwallis

  • Fortführung der Bauarbeiten am Tunnel Les Evouettes,
  • Bau von zwei Kreiseln in der Industriezone von Riddes,
  • Sanierung der Brücke Pont de Nizod im Val-d'Illiez,
  • Sanierung der Brücke Pont des Becs in Finhaut,
  • Bau eines Kreisels an der Einfahrt West von Saxon, Autobahnanschluss Fully,
  • Fahrbahnrestrukturierung in Troistorrents, auf der Strasse Monthey – Morgins, Abschnitt Chapelle St-André – Kehre Es-Cortaz.

Mittelwallis

  • Baubeginn an der Erneuerung der Ortsdurchfahrt von Vétroz,
  • Fortführung der Umbauarbeiten an den Kreuzungen bei Pont-de-la-Morge
  • Korrektion der Strasse nach Anniviers, unterhalb der ersten Kehre von Niouc,
  • Ausbau der Route de Chippis in Sitten,
  • Korrektion der Strasse nach Granges, an der Ortseinfahrt von Vaas,
  • Abschluss der Bauarbeiten am Tunnel bei den «Pyramides d’Euseigne»,
  • Abschluss der Bauarbeiten zur Verlängerung der Galerie Zano vor Arolla

Oberwallis

  • Abschluss der Bauarbeiten an der Umfahrungsstrasse Stalden
  • Fortführung der Erneuerung des Ortszentrums von Bitsch (2. Los)
  • Bau der Bildjikehr-Brücke als Ersatz für eine Stützmauer, die ein Rutschrisiko für Inden darstellt, an der Strasse von Leuk nach Leukerbad,
  • Beginn der Bauarbeiten am Galerieprojekt Lüegelti und Schusslaui kurz vor Zermatt,
  • Abschluss der Sanierung der Strasse Visp – Visperterminen, in Richtung Visperterminen,
  • Sanierung diverser Fussgängerübergänge.

Alle im kantonalen Winterdienst eingesetzten Maschinen werden durch ein GPS-System überwacht. Mit dieser Lösung konnte der Einsatz der über 15'000 Tonnen Streusalz, die im Jahr 2023 gebraucht wurden, optimiert werden.

In Bezug auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Bodennutzung, insbesondere was die Fruchtfolgeflächen betrifft, wird die multifunktionale Nutzung der bestehenden Infrastrukturen zur Regel, da die Inanspruchnahme neuer Landschaftsflächen unmöglich ist. 

Umfahrungsstrasse in Stalden © Florian Grichting

Öffentlicher Verkehr und Langsamverkehr

Zahlreiche regionale Buslinien im ganzen Kanton profitierten von einer Verbesserung des Angebots. Im Schienenverkehr wurden die speziell auf Touristen ausgerichteten Produkte, wie der «VosAlpes Express» und der «Verbier Express», während der Wintersaison weitergeführt. Die Dienststelle für Mobilität führt die Analyse der Linien des regionalen Personenverkehrs mit anhaltend interessantem Potenzial fort, um neue Leistungsangebote zu entwickeln. Die stetig steigenden Fahrgastzahlen auf den Regionallinien bestätigen die Strategie der Dienststelle und zeigen, dass der öffentliche Verkehr für die Walliser Bevölkerung attraktiv ist. Doch mit den starken, inflationsbedingten Kostensteigerungen kommen diese Leistungen das Staatsbudget teurer zu stehen. Daher muss 2024 eine systematische Analyse der Linien mit niedrigem Kostendeckungsgrad durchgeführt werden.

Im Rahmen des neuen Gesetzes über den öffentlichen Verkehr und den Alltagslangsamverkehr wurde eine konsultative Kommission für Verkehr geschaffen, die Vorschläge und Stellungnahmen zur Politik des öffentlichen Verkehrs und Alltagslangsamverkehrs erarbeiten soll.

Das Projekt «Pass 13*» war 2023 ein schöner Erfolg bei der Bevölkerung und wird 2024 mit einer zweiten Testphase fortgesetzt.

Im Jahr 2023 wurden die folgenden touristischen Seilbahnen in Betrieb genommen:

  • Gondelbahn 3S Testa-Grigia – Klein Matterhorn,
  • Luftseilbahn Zermatt – Furi,
  • Kombibahn Les Collons – Thyon 2000,
  • Gondelbahn Morgins – La Foilleuse.

Zehn Projekte für neue Verbindungen zwischen der Ebene und dem Gebirge wurden zur Koordination in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Sie werden auch dem Bundesamt für Verkehr (BAV) für eine Finanzierung im Rahmen des Ausbauschritts der laufenden STEP-Vorlage vorgeschlagen, dessen Realisierungshorizont von 2027 bis 2035 reicht. Die Schritte zur Verfahrensvorbereitung, insbesondere der Raumplanungsverfahren, wurden eingeleitet.

Der vom BAV geforderte Auslagerungsprozess der vom Staat im Auftrag der Gemeinden geführten Seilbahnen wurde eingeleitet und muss im Laufe des Jahres 2024 abgeschlossen werden.

Auf gesetzlicher Ebene war 2023 ein Schlüsseljahr. Am 1. Januar traten auf Bundesebene (Veloweggesetz) und auf kantonaler Ebene (Gesetz über den öffentlichen Verkehr und den Alltagslangsamverkehr) neue Regelungen in Kraft, die dem Kanton eine neue Rolle zuweisen.

Auf strategischer Ebene wurden grosse Anstrengungen unternommen, um eine kantonale Strategie «Langsamverkehr 2040» zu erarbeiten, die Anfang 2024 dem Staatsrat vorgelegt werden soll. Auf operativer Ebene wurden die Studien zu Sachplänen für den Alltagsveloverkehr auf dem ganzen Kantonsgebiet fortgesetzt. Sie werden gemeinsam mit den betreffenden Gemeinden durchgeführt und zielen darauf ab, die zu entwickelnden Netze oder anzupassenden Infrastrukturen zu bestimmen.

Illustrationsbild

Bau der A9 im Oberwallis

Die Dienststelle für Nationalstrassenbau (DNSB) ist zuständig für die Netzfertigstellung der Autobahn A9 zwischen Siders und Brig. Die 2.8 km lange Teilstrecke Gampel/Steg – Raron konnte am 18. August 2023 dem Verkehr übergeben werden; damit sind Ende 2023 gut 50 Prozent der A9 im Oberwallis in Betrieb. Die vollständige Inbetriebnahme der Autobahn A9 von Leuk/Susten Ost bis Brig erfolgt in Etappen bis Ende 2026.

Das Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (GS-UVEK) hat die Plangenehmigung für das Ausführungsprojekt am 26. März 2021 erteilt. Vor Bundesgericht sind noch 4 Rekurse hängig. Die Detailplanungen für den Tunnel Susten, den Gedeckten Einschnitt Pfyn und die offene Strecke laufen parallel. Die Ausschreibung für den Bodenabtrag und die archäologischen Ausgrabungen und Auswertungen im Bereich der temporären Materialzwischenlager und Baustellen in Pfyngut Süd und Susten Ost wurde Mitte 2023 publiziert.

Die Nordröhre des Tunnels Riedberg ist fertig betoniert. In der Südröhre sind bereits zwei Drittel des Sohlgewölbes betoniert. Als Massnahme gegen erhöhte künftige Verschiebungen der Tunnelröhren insbesondere infolge starker Regenereignisse ist ab dem Portal Ost der Bau eines Entwässerungstollen geplant.

Im Zuge der Sanierung und des Ausbaus zum Vollanschluss wurde die 50-jährige Brücke im Turtig während 6 Monaten vollständig gesperrt und der Verkehr umgeleitet. Beim Gedeckten Einschnitt Raron (GERA) sind die Hauptarbeiten mit dem Einbau des Asphaltes abgeschlossen. Die technische Ausrüstung der beiden Zentralen und des Pumpwerks ist am Laufen. Die offene Strecke zwischen GERA und Visp West wird in 2 Etappen realisiert, wobei der Abschnitt Ost bis zur Unterführung St. German bis auf die Rückhaltesysteme und Markierungen abgeschlossen werden konnte und die Bauarbeiten für den Abschnitt West im Juli begonnen haben.

Das GS-UVEK hat am 9. Juni 2023 die Plangenehmigung für den Lastwagenstauraum und die Stellplätze Steineja erteilt. Vor Bundesverwaltungsgericht sind 2 Rekurse hängig.

Mit dem anspruchsvollen Verzweigungsbauwerk II ist der Umbau des Vispertaltunnels zur Südröhre der A9 vollzogen. Die Belagsarbeiten sind abgeschlossen. Mit der Montage der elektromechanischen Anlagen im Fahrraum wurde begonnen.

Offizielle Eröffnung der Teilstrecke Schnidrigu - Wanne West (GERA) © Brutal Güet

Gebietseinheit III

Im Rahmen der Fertigstellung des Nationalstrassennetzes übernahm die Dienststelle Gebietseinheit III (DGE III) im August den Betrieb der offenen Strecke Schnidrigu – Wanne West zwischen den Anschlüssen Gampel-Steg Ost und Raron (2.5 Kilometer).

Auf der N21, die sich von Martinach bis zum Tunnelportal des Grossen St. Bernhard erstreckt, mussten für die Erneuerung von Fahrbahnübergängen an Brücken viele Baustellen eröffnet werden. Das Projekt zur Schaffung eines Werkhofs des Bundesamts für Strassen (ASTRA) in Liddes, der mit der Gemeinde geteilt werden soll, wurde in Angriff genommen.

Im dritten Jahr ihres Bestehens hat die DGE III ihre Organisation angepasst. Sie verfügt nun über eine Sektion Technologie, die sich um Betriebsausrüstungen (Kameras, Automaten, Signalisation, Lüftung) kümmern kann, die gemischte Fähigkeiten erfordern (Elektrizität, Automatik, Netzwerk, Video, IT-Sicherheit). Dies ist eine beträchtliche Herausforderung für die nächsten Jahre. Der Bereich wird zwar immer mehr zu einem Informatikbereich, ist aber sehr strassenspezifisch und erfordert eine sehr hohe Reaktionsfähigkeit rund um die Uhr.

Die Sektion «Ingenieur- und Bauwesen» bietet neue Leistungen an, die vom ASTRA verlangt werden. Dazu gehört, die Überwachung und Massnahmen im Bereich Naturgefahren zu verstärken und die Inspektion der Kunstbauten gewährleisten zu können. Diese Leistungen zielen auf eine erhöhte Sicherheit und Bereitschaft des Nationalstrassennetzes ab.

Die DGE III hat die Dienste eines Spezialisten für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in Anspruch genommen, weil die Anforderungen in diesem Bereich sehr hoch sind und einen systematischen Ansatz erfordern. Um das gewünschte Niveau zu erreichen, ist noch viel zu tun.

Zu erwähnen wäre schliesslich noch, dass an die Mitarbeiter-Chauffeure Tablets abgegeben werden, da sie zur Überwachung der Strasse zusehends auf die Verwendung von Apps angewiesen sind.

Offizielle Eröffnung der Teilstrecke Schnidrigu - Wanne West (GERA) © Brutal Güet

Recht und Gesetz

Das neue Gesetz über den öffentlichen Verkehr und den Alltagslangsamverkehr (GöVALV) sowie das dazugehörige Ausführungsreglement traten am 1. Januar 2023 in Kraft.

Die Teilrevisionen des Reglements über die Wege des Freizeitverkehrs (RWFV) und des Reglements über die Erteilung von kantonalen Bewilligungen für die Personenbeförderung (REPB) sind am 1. Mai 2023 in Kraft getreten.

Die Teilrevision des Strassengesetzes (StrG) wurde vom Grossen Rat am 17. März 2023 in einer einzigen Lesung verabschiedet. Es ist geplant, ihr Inkrafttreten auf den 1. Januar 2025 festzulegen.

Das zusammen mit der Dienststelle für Energie und Wasserkraft verfasste Dekret über das Bewilligungsverfahren für Photovoltaik-Grossanlagen wurde am 10. Februar 2023 vom Grossen Rat angenommen. Am 10. Oktober 2023 wurde es wieder aufgehoben, nachdem es vom Volk abgelehnt worden war.

Die Vorentwürfe zur Revision des Baugesetzes (BauG) und der Bauverordnung (BauV) wurden am 1. Dezember 2023 in die Vernehmlassung gegeben. Die Vernehmlassung läuft bis zum 8. Februar 2024. Die erste Lesung des Gesetzesentwurfs ist für die Septembersession 2024 vorgesehen.

Die Entwicklung des Vorentwurfs für das Gesetz über die Georessourcen wird fortgesetzt, ebenso wie die Ausarbeitung der Ausführungsverordnung zum Gesetz über die Naturgefahren und den Wasserbau (GNGWB).

Unter der Leitung der Dienststelle für Umwelt wurde mit dem Vorentwurf für die Revision des kantonalen Umweltschutzgesetzes (kUSG) begonnen.

Ebenfalls begonnen wurde mit der Teilrevision des Reglements über die Gebühren für den Sondergebrauch des öffentlichen Eigentums auf kantonalen Verkehrswegen und am Genfersee.

Der Bereich des öffentlichen Baurechts, der Zweitwohnungen und der Raumplanung erfordert nach wie vor erhebliche juristische Ressourcen. Auch die anhaltende Implementierung des Programms eConstruction bedarf einer regelmässigen und oftmals kurzfristigen Mobilisierung der Ressourcen. Die Gemeindeaufsichtsdossiers, für die der Staatsrat zuständig ist, bringen eine eingehende Prüfung über manchmal lange Zeiträume mit sich. Die dringende Notwendigkeit, die Entwicklung von Photovoltaik-Anlagen zuzulassen, um einem allfälligen Energiemangel im Winter zu begegnen, bleibt bestehen, und dies bei einer sich dauernd verändernden Rechtslage. Deshalb stellen Projekte für alpine Photovoltaik-Grossanlagen eine neue und grosse Herausforderung dar. Der Bedarf an juristischer Unterstützung intensiviert und beschleunigt sich in allen Bereichen immer weiter, umso mehr, als die rechtlichen Regulierungen immer komplexer werden. Somit wird der Verwaltungs- und Rechtsdienst des DMRU andauernd und stark beansprucht.

Am 31. Dezember 2023 war die Zahl der beim KBS registrierten neuen Baugesuche (3179) gegenüber 2022 um 540 Dossiers gesunken, bei den Dossiers in kommunaler Zuständigkeit wurde ein Rückgang von 388, bei den Dossiers in kantonaler Zuständigkeit von 117 verzeichnet. Bei der Baupolizei, Dossiers ausserhalb der Bauzone, wurden 179 neue Dossiers registriert.

Stand am 31.12.2023

2018

2019

2020

2021

2022

2023

Ganzes KBS

 

 

 

 

 

 

Registrierte Dossiers insgesamt

3217

3181

3378

4111

3719

3179

Baudossiers in kantonaler Kompetenz

1186

1122

1379

1382

1318

1201

Baupolizeiliche Dossiers (kantonale Kompetenz)

165

135

202

299

214

179

Dossiers in kommunaler Kompetenz

1866

1924

1797

2430

2187

1799

Kreis 1 - Oberwallis

 

 

 

 

 

 

Registrierte Dossiers insgesamt

822

793

868

1050

903

794

Baudossiers in kantonaler Kompetenz

291

313

343

377

274

288

Baupolizeiliche Dossiers (kantonale Kompetenz)

31

24

41

39

18

41

Dossiers in kommunaler Kompetenz

500

456

484

634

611

465

Kreis 2 - Mittelwallis

 

 

 

 

 

 

Registrierte Dossiers insgesamt

1139

1206

1222

1415

1327

1115

Baudossiers in kantonaler Kompetenz

414

440

523

490

521

411

Baupolizeiliche Dossiers (kantonale Kompetenz)

80

66

97

107

85

66

Dossiers in kommunaler Kompetenz

645

700

602

818

721

638

Kreis 3 - Unterwallis

 

 

 

 

 

 

Registrierte Dossiers insgesamt

1256

1182

1288

1646

1489

1270

Baudossiers in kantonaler Kompetenz

481

369

513

515

523

502

Baupolizeiliche Dossiers (kantonale Kompetenz)

54

45

64

153

111

72

Dossiers in kommunaler Kompetenz

721

768

711

978

855

696

Total Unterwallis

 

 

 

 

 

 

Registrierte Dossiers insgesamt

2395

2388

2510

3061

2816

2385

Baudossiers in kantonaler Kompetenz

895

809

1036

1005

1044

913

Baupolizeiliche Dossiers (kantonale Kompetenz)

134

111

161

260

196

138

Dossiers in kommunaler Kompetenz

1366

1468

1313

1796

1576

1334


Das Programm eConstruction erfordert ein anhaltendes Engagement des KBS.

Mit dem Inkrafttreten der Revision des Baugesetzes und der Bauverordnung am 1. Februar 2023 wurde die Entwicklung der Plattform eConstruction fortgesetzt. Mit der Bereitstellung von Funktionalitäten, die es ermöglichen, Baugesuche in einem zu 100 % digitalen Format mit Beweiswert zu behandeln, nimmt der Kanton Wallis eine Vorreiterrolle in diesem Bereich ein (digitale Identität, qualifizierte elektronische Signatur etc.). Im Juni 2023 wurden alle Gemeinden zu einer Programmpräsentation eingeladen und in der Folge aufgefordert, über ihre Bereitschaft zur Integration der besagten Plattform zu entscheiden. Die erste Pilotphase mit neun Gemeinden wurde Ende 2023 erfolgreich abgeschlossen und ermöglicht es, die Implementierung gemäss dem festgelegten Zeitplan in den Jahren 2024 und 2025 im ganzen Wallis zu starten.

Im Jahr 2023 betrug die Zahl der neu beim KKSS eingereichten Strassensignalisations- und reklamedossiers 927 (+1.75 % gegenüber 2022). Die Signalisationsdossiers nahmen um 73 (+11.16 %) zu, die Strassenreklamedossiers um 57 Dossiers (-22.18 %) ab.

  2020 2021 2022 2023
Kreis 1 – Oberwallis        
Signalisationsdossiers 80 83 146 118
Strassenreklamedossiers 45 44 46 43
Kreis 2 – Mittelwallis      
Signalisationsdossiers 275 363 259 311
Strassenreklamedossiers 123 79 137 94
Kreis 3 – Unterwallis    
Signalisationsdossiers 264 292 249 298
Strassenreklamedossiers 87 60 74 63
Jahrestotal 874 921 911 927
Jahrestotal Signalisationsdossiers 619 738 654 727
Jahrestotal Strassenreklamedossiers 255 183 257 200

 

Bei den Dossiers für Baustellensignalisationen verzeichnete das SeKKSS im gleichen Zeitraum 4135 Gesuche, was einer Zunahme von 72 Dossiers (+1.78 %) gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Das SeKKSS hat die Behandlung der Dossiers im Bereich der Strassensignalisation, der Strassenreklamen und der Baustellensignalisation insbesondere über seine Plattform SICHAN sichergestellt.

Bei Strassenbauprojekten oder Genehmigungsverfahren für vertikale oder horizontale Verkehrssignale hat das Sekretariat mit der Bevölkerung, den Unternehmen sowie den verschiedenen kantonalen und kommunalen Behörden zusammengearbeitet und sie unterstützt. In denselben Bereichen nahm es auch eine Überwachungsaufgabe wahr.

Illustrationsbild

Naturgefahren

Im Laufe des Jahres 2023 hat die Dienststelle Naturgefahren (DNAGE) ihre Organisation mit der Ernennung eines Adjunkten des Dienstchefs und mit der Verstärkung ihrer Sektion «Grundlagen Integrales Risikomanagement (SGIR)» konsolidiert.

Das Jahr 2023 zeichnete sich durch eine Häufung von Ereignissen aus, die im gesamten Kantonsgebiet erhebliche Schäden verursachten, die auf 10 bis 20 Millionen Franken geschätzt werden. Zu nennen sind die Steinschläge von Plan-Cerisier und Trient, die Evakuierungen erforderlich machten, die Sommergewitter in den Regionen Chamoson, Leukerbad und Lötschental sowie schliesslich die beiden extremen Niederschlagsereignisse im November und Anfang Dezember, die vor allem im Unterwallis zu einer hohen Zahl von Hangmuren, Erdrutschen und Steinschlägen führten.

Die Arbeiten an der 3. Rhonekorrektion (R3) wurden planmässig fortgesetzt. Die Bauarbeiten an der vorgezogenen Massnahme Ile Falcon wurden im März abgeschlossen. Die Bauarbeiten an den vorgezogenen Massnahmen Siders-Laminoirs und Grandes Iles begannen im Mai bzw. im September. Die Ergebnisse der vom DMRU Ende 2022 eingeleiteten Analyse des Projekts R3 werden voraussichtlich im Frühjahr 2024 bekannt gegeben.

In Bezug auf die Verwaltung der 800 Projekte, für welche die Dienststelle zuständig ist, ist anzumerken, dass die geplanten Ausgaben für den Wasserbau leicht unter dem Budget lagen. Sie wurden jedoch durch überdurchschnittliche Kosten in den Bereichen Lawinen und geologische Gefahren kompensiert.

Unwetter im Wallis © Dienststelle Naturgefahren

Raumentwicklung

Der Staatsrat hat die Teilrevision von zwölf Koordinationsblättern des kantonalen Richtplans (kRP) zur Kenntnis genommen und die Vernehmlassung bei den Gemeinden und interessierten Organisationen genehmigt. Mit dieser Teilrevision soll insbesondere den im Rahmen der Gesamtrevision des kRP festgelegten Aufträgen des Bundes, den neuen bundesrechtlichen Grundlagen sowie den vom Staatsrat verabschiedeten neuen Strategien Rechnung getragen werden.

Die angepassten Koordinationsblätter betreffen folgende Themen: Schutz, Pflege und Aufwertung der Landschaft (Blatt A.8), Camping (Blatt B.3), Skigebiete (Blatt B.4), Schienennetze (Blatt D.3), Luftfahrtinfrastrukturen (Blatt D.8), Energieversorgung (Blatt E.3), Solaranlagen (Blatt E.5) und Windkraftanlagen (Blatt E.6) sowie Energietransport und -verteilung (Blatt E.7). Ausserdem wurden drei neue Koordinationsblätter für folgende Querschnittsthemen erstellt: Klimawandel (Blatt T.1), Landschaft (Blatt T.2) und Untergrund (Blatt T.3).

Im Übrigen befassten sich drei Lenkungsausschüsse mit der Ausarbeitung der Strategie für die Verwaltung der «Arbeitszonen», der Ausarbeitung der Koordinationsblätter A.5a «Geschützte landschaftsprägende Bauten» und A.5b «Weiler- und Erhaltungszonen» sowie der Strategie betreffend «Fruchtfolgeflächen».

Im Rahmen der Umsetzung des Raumplanungsgesetzes (RPG) und dessen kantonalen Ausführungsgesetzes (kRPG) sowie des kantonalen Richtplans (kRP) hat die DRE ihre Unterstützung der Gemeinden im Rahmen der Umsetzung der Gesamtrevision der Zonennutzungsplanung (ZNP) und des kommunalen Bau- und Zonenreglements (KBZR) fortgesetzt. Zu diesem Zweck hat die DRE in Zusammenarbeit mit den betroffenen kantonalen Organen insbesondere eine Aktualisierung der Arbeitshilfen und der Musterartikel für das KBZR in die Wege geleitet. Im Übrigen hat sie die verschiedenen Prozesse im Rahmen der Phase der Vorprüfung und der Phase der Homologation angepasst und verbessert.

Bis Ende 2023 hat der Staatsrat fünf Gesamtrevisionen homologiert. Drei davon sind in Rechtskraft erwachsen, und ein homologiertes Dossier befindet sich im Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht. Eine Gemeinde hat beschlossen, ihr Homologationsdossier beim Kantonsgericht zurückzuziehen. Das Koordinationsblatt C.1 «Dimensionierung der Bauzonen für die Wohnnutzung» des Kantonalen Richtplans sieht die Anpassung sämtlicher kommunaler Zonennutzungspläne (ZNP) mit Frist bis Mai 2026 vor.

Nachdem der Staatsrat am 12. Oktober 2022 das kantonale Landschaftskonzept (kLK) verabschiedet hat, hat das DMRU via die DRE den Studienauftrag für die Ausarbeitung des Aktionsplans Landschaft VS 2026-2032 ausgeschrieben.

Darüber hinaus wurde ein erstes Mandat über die Behandlung der Randbereiche, insbesondere im Zusammenhang mit bestehenden Bauten, im Rahmen des Projekts der Güterzusammenlegung von Rebparzellen auf Gebiet der Gemeinde Savièse vergeben. Die Endergebnisse werden für das erste Halbjahr 2024 erwartet.

Illustrationsbild

Wald, Natur und Landschaft

Die Waldeigentümer leisteten auf fast 2000 Hektar Schutzwald Unterhalt, was einer Investition von über 20 Millionen Franken entspricht, mit einer beträchtlichen Beihilfe von Bund und Kanton. Es wurden mehrere Projekte im Bereich Biodiversität im Wald realisiert, darunter die Waldreservate En Arbin (203 Hektar) und Val d'Arpette (775 Hektar).

Die Walliser Wälder litten erneut unter den Hitzewellen und der extremen Trockenheit des Sommers mit mehreren Bränden, insbesondere dem Brand von Bitsch, bei dem 130 Hektar Schutzwald vernichtet wurden. Auch schwere Schäden durch den Borkenkäfer waren zu verzeichnen. Im August wurden zwei generelle Feuerverbote für den gesamten Kanton erlassen. Dank dieser Präventivmassnahmen sowie der Sensibilisierung der Bevölkerung konnten weitere Grossbrände verhindert werden.

Die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Wälder geben weiterhin Anlass zu grosser Sorge. Da gilt es nun, den Fortbestand der Waldfunktionen unter sich rasch verändernden natürlichen Bedingungen sicherzustellen, wobei vor allem der Verjüngung Sorge zu tragen gilt, die in manchen Regionen mit einem zu starken Wildverbiss gleich doppelt belastet ist.

Die verschiedenen laufenden Planungsprozesse (Freizeitmobilität, Raumplanung, Energieversorgung etc.) haben die Ressourcen der Dienststelle für Wald, Natur und Landschaft (DWNL) stark beansprucht. Und diese Beanspruchung hat durch die gestiegenen Erwartungen der Bevölkerung, insbesondere an die Erholungsfunktion der Wälder, noch weiter zugenommen.

Die Analyse der ökologischen Infrastruktur, die für das gesamte Kantonsgebiet durchgeführt wurde, bestätigt eine relativ zufriedenstellende Situation der für die Biodiversität ausgeschieden Kerngebiete, aber ein bedeutendes Defizit bei der ökologischen Konnektivität und Funktionalität. Diese vom Bund verlangte Analyse entspricht den Vereinbarungen der Biodiversitätskonferenz der UNO (COP 15), die von der Schweiz Ende 2022 ratifiziert wurde. 

Die jüngsten Entwicklungen im Energiebereich zeigen, dass der Druck auf die natürlichen Lebensgrundlagen und das Landschaftserbe wächst. Dieser Druck wird auf Gebiete ausgeübt, die bisher relativ unberührt waren. In diesem Zusammenhang ist es von grösster Bedeutung, die notwendigen Kompensationen und die Integration der Massnahmen zu gewährleisten und dabei auf eine ausgewogene Interessenabwägung zu achten.

Wenn die Notwendigkeit, sich an die Klimaerwärmung anzupassen, von der Bevölkerung anerkannt wird, lassen sich Klimamassnahmen mit Biodiversitätsmassnahmen zusammenführen. Vertreter lokaler Gemeinwesen, die sich in diesem Sinne engagieren, werden immer mehr.

Der Druck, invasive gebietsfremde Arten zu bekämpfen, hat mit der Ausbreitung und dem Auftreten diverser Arten, insbesondere von Tierarten wie der Tigermücke, zugenommen. In der Region Brig ist die Art unter Kontrolle, aus dem Mittelwallis, vor allem aus Fully, wurden vereinzelte Exemplare gemeldet, doch im Chablais befindet sie sich auf dem Vormarsch.

Igelzählung im Wallis

Umwelt

Der neue kantonale Abfallbewirtschaftungsplan (KABP) ist auf eine breit angelegte Stärkung der Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Die Herausforderung besteht nun darin, den Paradigmenwechsel zu vollziehen und den Lebenszyklus einer Dienstleistung oder eines Produkts als Ganzes zu betrachten. Bei 700 Kilogramm Abfall oder 330 Kilogramm verschwendeten Lebensmitteln pro Kopf und Jahr in der Schweiz gilt es, daran zu denken, dass der beste Abfall jener ist, den man gar nicht erst produziert.

Bei der Ausarbeitung des neuen KABP wurden Akteure aus allen an der Abfallproduktion und -bewirtschaftung beteiligten Kreisen zur Mitarbeit aufgefordert. Damit wollte man der Realität, den Bedürfnissen und Gegebenheiten in der Praxis entsprechen und konkrete und umsetzbare Massnahmen mit einem Willen zur Partnerschaft definieren. Dreizehn Massnahmen müssen umgesetzt werden, damit das Wallis seine Praktiken grundlegend ändern und die anspruchsvollen ökologischen und strukturellen Ziele erfüllen kann.

Nach der Sanierung der quecksilberbelasteten Böden in den Wohngebieten zwischen Brig und Raron wurde 2023 mit der Sanierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen begonnen und drei Sanierungslose wurden abgeschlossen. 2024 wird die Sanierung fortgesetzt, und zwar auf den Flächen entlang des Grossgrundkanals. Nach der Sanierung erfolgt für jede Landwirtschaftsfläche eine überwachte Folgebewirtschaftung mit einer für zwei Jahre beschränkten Nutzung. Mit dieser Phase will man erreichen, dass sich die neu angelegten Böden vollständig regenerieren können und eine Nutzung ohne Ertragseinbussen gewährleistet werden kann.

Die seit drei Jahren durchgeführten Kontrollen der per- und polyfluoralkylierten Substanzen (PFAS) wurden fortgesetzt, wie dies die diesbezügliche kantonale Strategie vorsieht. Der Nachweis kontaminierter Fische in der Region Chablais veranlasste den Kanton, ein Fischereiverbot für verschiedene Weiher und Teiche zu erlassen. Darüber hinaus wurden alle Walliser Feuerwehren mit PFAS-freien Schaummitteln ausgestattet.

Abfall - Neuer kantonaler Plan