Verringerung von Wasserverlusten: Lehren aus Dänemark
Die öffentlichen Versorgungsunternehmen in Dänemark weisen mit weniger als 10 Prozent eine der weltweit niedrigsten Wasserverlustraten auf. Grundlage dafür sind strategische Planung, digitales Monitoring, Leckortung und eine aktive Steuerung des Wasserdrucks in den Leitungen. Welche Lehren lassen sich aus diesen bemerkenswerten Ergebnissen ziehen?
In der Schweiz werden zwischen 15 und 60 Prozent des Trinkwassers nicht in Rechnung gestellt oder gehen verloren, bevor das Wasser überhaupt zu den Konsumentinnen und Konsumenten gelangt. Ursache dafür sind unter anderem Lecks in Leitungen oder Brunnen, die der Wasserzirkulation dienen und das Stagnieren von Trinkwasser im Netz verhindern. Diese Verluste bedeuten nicht nur eine Verschwendung einer lebenswichtigen Ressource und entgangene Einnahmen, sondern auch einen unnötigen Energieaufwand für die Gewinnung und Aufbereitung des Wassers. Das alles setzt die öffentlichen Versorgungsbetriebe unter Druck und gefährdet den allgemeinen Zugang zu Wasser. Wasserverluste müssen unbedingt reduziert werden, um eine resiliente Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, insbesondere angesichts einer stetig wachsenden Bevölkerung in der Schweiz und im Wallis sowie klimatischen Bedingungen, die die Wasserverfügbarkeit belasten.
Dänemark hat bewiesen, dass wirtschaftliches Wachstum und ein geringerer Wasserverbrauch durchaus miteinander vereinbar sind. In den letzten 30 Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt um 75 Prozent gestiegen, während der Trinkwasserverbrauch – nicht zuletzt dank der Verringerung von Lecks im Leitungsnetz – um 40 Prozent zurückgegangen ist.
Die dänischen Wasserversorger haben eine Liste mit den häufigsten Gründen veröffentlicht, die Fortschritte hemmen und Untätigkeit begünstigen. Dieser Erfahrungsaustausch ist sehr wertvoll. Hierzu ist anzumerken, dass Dänemark – wie die Schweiz – über ein System verfügt, bei dem das Trinkwasser nach dem tatsächlichen Verbrauch abgerechnet wird und die Versorgungsunternehmen kostendeckend arbeiten müssen, ohne Gewinne zu erwirtschaften.
Fehlendes Bewusstsein in der Politik
Vielerorts wird sauberes Trinkwasser als selbstverständlich betrachtet. Deshalb wird diesem Thema auf politischer Ebene zu wenig Aufmerksamkeit und Priorität eingeräumt. Der Wasserpreis liegt häufig deutlich unter den tatsächlichen Kosten, weil Wasser direkt oder indirekt staatlich subventioniert wird. Dies geschieht beispielsweise über niedrige Energiepreise, die auch das Pumpen, Aufbereiten und Verteilen des Wassers günstiger machen. Dadurch bleibt der wahre Wert von Wasser verborgen und Investitionen in eine nachhaltige Wasserinfrastruktur werden gehemmt.
Ungenaue Daten
Verlässliche Daten sind von entscheidender Bedeutung, da ungenaue Zählerablesungen zu Fehlentscheidungen in allen Bereichen des Versorgungsbetriebs führen können. Ohne genaue Kenntnis darüber, wo und wie Wasserverluste auftreten, kann es für Versorger schwierig sein, Massnahmen zu priorisieren, Ressourcen wirkungsvoll zuzuweisen und Verbesserungen über die Zeit zu erfassen. Besonders problematisch ist dies, wenn reale und scheinbare Verluste abgeschätzt, die Wasserbilanz erstellt oder Ziele im Rahmen einer Strategie zur Verringerung von Wasser- und Einnahmeverlusten festgelegt werden sollen.
Anschaffungspreis statt Gesamtbetriebskosten im Fokus
Bei Ausschreibungen und Kaufentscheidungen wird häufig ausschliesslich der Anschaffungspreis von Anlagen oder Leitungen berücksichtigt, anstatt die gesamten Lebenszykluskosten einzubeziehen. So werden oft weniger leistungsfähige Produkte gewählt, die schon nach relativ kurzer Zeit ersetzt werden müssen.
Verringerung von Lecks nicht Teil der Gesamtstrategie
In vielen Fällen wird der Umgang mit Leckagen als technische oder finanzielle Frage behandelt und nicht als wichtiges strategisches Element. Dadurch wird häufig unterschätzt, dass die Verringerung von Wasserverlusten wesentlich dazu beitragen kann, zentrale Ziele der Versorgungsunternehmen zu erreichen, wie etwa den Energieverbrauch zu senken, Treibhausgasemissionen zu reduzieren oder die Klimaresilienz zu stärken.
Weniger Lecks bedeuten weniger Wasserverlust und gleichzeitig einen geringeren Energiebedarf für Aufbereitung und Verteilung von Wasser, was sowohl den Klimaschutz als auch die Anpassung an den Klimawandel unterstützt. Wird das Leckagemanagement nicht strategisch eingebunden, besteht die Gefahr, dass ihm zu wenig Priorität eingeräumt wird, es unzureichend finanziert wird oder von sektorübergreifenden Initiativen ausgeschlossen bleibt, die seine Wirkung verstärken könnten.
Weniger transparente Berichterstattung aufgrund von Leistungsdruck
Hohe Wasserverluste einzuräumen, kann als Zeichen schlechter Leistung gewertet werden und die Verantwortlichen der Wasserversorgung davon abhalten, genaue Daten zu kommunizieren. Sind die Leistungsziele der Mitarbeitenden nicht auf die Verringerung von Wasserverlusten ausgerichtet, fehlt oft der Anreiz, die Transparenz zu verbessern oder Korrekturmassnahmen zu ergreifen. Stattdessen konzentriert sich das Personal unter Umständen darauf, günstige Kennzahlen auszuweisen, anstatt die Ursachen anzugehen, was wesentliche Fortschritte im Versorgungsbetrieb behindern kann.
Unzureichende Ausbildung
Wasserverluste und die damit verbundenen Einnahmeausfälle zu verringern, ist weit mehr als nur eine technische Aufgabe, sie erfordert auch eine engagierte Führung und qualifiziertes Personal. Ohne eine angemessene Schulung im Umgang mit Geoinformationssystemen (digitalisierte Netzpläne), hydraulischer Modellierung, Leckortungsgeräten und intelligenten Zählern können Versorgungsunternehmen ihre Ziele kaum erreichen.
Die Schulung sollte sich an alle Mitarbeitendengruppen richten – von den Planenden bis zu den technischen Fachkräften im Aussendienst –, um einheitliche Verfahren und eine verlässliche Qualitätssicherung zu gewährleisten.
Projekte mit wenig Nutzen aufgrund von Vetternwirtschaft
Vetterliwirtschaft auf mehreren Ebenen, insbesondere in Beschaffungsprozessen, bei der Auswahl von Unternehmen und der Umsetzung von Projekten, kann den Erfolg der Bemühungen erheblich beeinträchtigen. In solchen Fällen werden mitunter beträchtliche finanzielle Mittel in den Ersatz von Leitungen oder die Modernisierung der Infrastruktur investiert, ohne dass dadurch wesentliche Verbesserungen erreicht werden. Wenn bei der Festlegung von Projektprioritäten Einzelinteressen mehr Gewicht haben als objektive Bewertungen und technische Daten, werden die Ressourcen häufig ineffizient eingesetzt und die eigentlichen Ursachen von Wasserverlusten nicht angegangen. Das schadet nicht nur der betrieblichen Leistungsfähigkeit, sondern untergräbt auch die Glaubwürdigkeit der Institutionen und das Vertrauen der Öffentlichkeit, was letztlich den Fortschritt hin zu einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Wasserversorgung verzögert.

