Den Wasserverbrauch senken: Best Practices aus Dänemark
Mit 97 Litern pro Person und Tag gehört Dänemark zu den Ländern mit dem geringsten Trinkwasserverbrauch in Europa. Das sind 45 Liter weniger als in der Schweiz und im Wallis.
Dänemark hat bewiesen, dass wirtschaftliches Wachstum und ein geringerer Wasserverbrauch durchaus miteinander vereinbar sind. In den vergangenen 30 Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt um 75 Prozent gestiegen, während der Trinkwasserverbrauch um 40 Prozent zurückgegangen ist, und zwar in allen Bereichen des Wasserverbrauchs.
Aufgrund ihrer Erfahrungen weist die dänische Regierung darauf hin, dass der reale Wert von Wasser von den verschiedenen Nutzenden und Regionen unterschiedlich wahrgenommen wird. So sind die Preise in wasserreichen Gebieten häufig derart tief, dass die Einnahmen die tatsächlichen Kosten nicht decken. Durch die Kombination verschiedener Massnahmen – etwa Reglementierungen, wirtschaftlicher Anreize, der Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie mehr Transparenz bei Finanzdaten und verfügbaren Wassermengen – kann der Verbrauch verringert werden.
Mehr als 140 Liter pro Person und Tag in der Schweiz
In der Schweiz und im Wallis liegt der Trinkwasserverbrauch im Haushaltsbereich (Toilettenspülung, Dusche, Küche, Waschmaschine, Geschirrspüler) durchschnittlich bei 142 Litern pro Person und Tag. Diese Zahl bezieht sich ausschliesslich auf die Wassernutzung innerhalb der Haushalte. Nicht berücksichtigt sind der Verbrauch am Arbeitsplatz, in der Freizeit oder im öffentlichen Raum – etwa für Brunnen – oder infolge Lecks im Leitungsnetz. Insgesamt verbraucht eine Person in der Schweiz mehr als 300 Liter Wasser pro Tag. Dies lässt sich teilweise mit dem Überfluss an Wasser, dem extrem niedrigen Preis und dem Vertrauen in eine sichere Wasserversorgung erklären. Im Gegensatz dazu setzt Dänemark auf höhere Tarife, technische Regulierung, den Einsatz von Technologien wie intelligenten Wasserzählern sowie auf die Eigenverantwortung im Umgang mit einer Ressource, die im Königreich nicht unerschöpflich ist.
Staatliche Massnahmen und Investitionen in die Infrastruktur
Seit mehreren Jahrzehnten werden in Dänemark verschiedene Massnahmen umgesetzt. Dazu gehören insbesondere:
- eine progressive Wasserpreisgestaltung, die den Unterhalt und die Erneuerung der Anlagen sicherstellt und dabei den Umwelt- und Ressourcenkosten Rechnung trägt;
- die flächendeckende Einführung individueller Wasserzähler, auch in Mehrfamilienhäusern und Unternehmen, sowie optimierte Haushaltsgeräte (wassersparende Toiletten, effiziente Waschmaschinen);
- strenge Normen und regelmässige Informationskampagnen.
Im Jahr 2024 verbrauchte eine Person in Dänemark jährlich durchschnittlich 35 000 Liter Wasser. Der Preis betrug 11 Euro pro m³ (1000 Liter). Mit diesem Tarif konnten sämtliche Kosten für die Wasseraufbereitung, den Transport und die Abwasserreinigung gedeckt werden.
Zum Vergleich: Der Wasserverbrauch im Wallis beläuft sich auf rund 52 000 Liter pro Person und Jahr. Die Preise reichen dabei von 0 Franken bis zu etwas über 4 Franken pro 1000 Liter (einschliesslich Abwasserreinigung). Es gilt zu beachten, dass Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung gemäss Schweizer Recht finanziell selbsttragend sein müssen und nach dem tatsächlichen Verbrauch abzurechnen sind (Verursacherprinzip); sie werden nicht mehr über Steuern finanziert.
Mögliche Verbesserungen in der Schweiz
Obwohl der Trinkwasserverbrauch seit den 1980er-Jahren dank effizienterer Anlagen und einer stärkeren Sensibilisierung deutlich gesunken ist, liegt er in der Schweiz und im Wallis noch immer über dem Durchschnitt mehrerer europäischer Länder. Es besteht weiterhin ein erhebliches Verbesserungspotenzial, insbesondere durch die Optimierung und Steigerung der Resilienz der Infrastrukturen, die Verringerung von Lecks in den Leitungsnetzen, eine bedarfsgerechtere Tarifgestaltung sowie eine gezielte Aufklärung der Konsumentinnen und Konsumenten vor allem in kritischen Phasen im Winter und im Sommer.

