Wasserstrategie

Abwasser als Ressource für die Energiewende

Abwasserreinigungsanlagen (ARA) entwickeln innovative Lösungen zur Inwertsetzung der Ressource Abwasser. So wollen sie energietechnisch möglichst unabhängig werden und gleichzeitig ihren CO2-Fussabdruck verringern.

Die ARA benötigen zum Betrieb ihrer Anlagen Strom. Einige von ihnen verbrauchen beinahe ebenso viel wie 400 Haushalte. Aus diesem Grund verfolgen sie zwei Ansätze: Zum einen trubinieren sie das Abwasser, und zum anderen verbrennen sie den Klärschlamm, um daraus Wärme und Strom zu gewinnen.

Le Châble: Strom aus Abwasser 

In der ARA Profray in Le Châble wird seit 1993 ein Kleinwasserkraftwerk betrieben. Das Abwasser aus Toiletten, Duschen und Küchen wird über eine Druckleitung von Verbier hinunter zur Kläranlage geleitet, wo es einer Turbine zugeführt und zur Stromproduktion genutzt wird. So werden jährlich rund eine Million kWh Strom erzeugt, die direkt ins Stromnetz der ARA eingespeist und vor Ort verbraucht werden. Damit ist sie energieautark, d. h. sie produziert die gesamte Energie, die sie zum Betrieb ihrer Anlagen benötigt, selbst.

Für einen möglichst hohen Wirkungsgrad sind bei einer Turbine zwei Faktoren entscheidend: eine ausreichende Fallhöhe und eine genügend grosse Durchflussmenge. Beide Voraussetzungen sind in Berggemeinden wie Val de Bagnes gegeben. Dort entsteht insbesondere in den Tourismusorten viel Abwasser, das hinunter zu tiefer gelegenen Kläranlagen fliesst. Das Modell liesse sich problemlos auf andere Gemeinden mit vergleichbaren Gefälleverhältnissen übertragen.
 



Seit 1993 erzeugt die Kläranlage Profray mithilfe eines Kleinwasserkraftwerks Strom aus dem Abwasser von Verbier. © Altis

Quelle (auf Französisch)


Yverdon: Fernwärme aus der ARA

Die Kläranlage von Yverdon setzt auf die Wiederverwertung von Abwasser. Nachdem das Abwasser energiesparend aufbereitet und unter anderem mit UV-Strahlen behandelt wurde, wird es im Rahmen eines Pilotprojekts beispielsweise in den Maschinen zur Strassenreinigung oder zur Bewässerung der benachbarten Fussballfelder eingesetzt. Zudem wird das Abwasser zur Energiegewinnung genutzt: Da es nach der Aufbereitung noch relativ warm ist, wird ihm Wärme entzogen, die anschliessend zur Beheizung der Treibhäuser der Stadtgärtnerei verwendet und in das Fernwärmenetz der Firma Y-CAD SA eingespeist wird.

Auf mehreren Gebäuden der Kläranlage in Yverdon-les-Bains wurden Solarpanels installiert. © SuisseEnergie

Quelle