Wasserstrategie

Der Genfersee und die Folgen des Klimawandels

 Der Genfersee hat sich auch in diesem Winter nicht vollständig durchmischt. Steigende Temperaturen und andere Faktoren beeinträchtigen die Durchmischung, die jedoch für das Überleben der Organismen im Wasser unerlässlich ist.

Bereits zum vierzehnten Mal in Folge blieb die vollständige Durchmischung des Genfersees im Winter aus. Bei einer Seetiefe von 309 Metern wurden nur etwa 140 Meter durchmischt. Für einen Wasseraustausch zwischen den verschiedenen Schichten braucht es sowohl ausreichend tiefe Temperaturen als auch kräftige Winde. Durch den Klimawandel sind diese Voraussetzungen immer seltener gegeben. Das führt dazu, dass das Tiefenwasser stagniert und es weniger häufig zu einer vertikalen Durchmischung kommt.

Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen

Durch die fehlende Durchmischung werden die unteren Wasserschichten nicht mehr mit Sauerstoff aus dem Oberflächenwasser versorgt. Sauerstoffmangel im Wasser – fachsprachlich Hypoxie – kann für die im Wasser lebenden Arten gravierende Folgen haben. Gemäss den Messungen der Internationalen Kommission zum Schutz der Gewässer des Genfersees (Commission internationale pour la protection des eaux du Léman, CIPEL) beträgt die durchschnittliche jährliche Sauerstoffkonzentration im Tiefenwasser nur noch 1,6 mg/l. Das ist zu wenig, um den Bedarf der meisten Wasserlebewesen zu decken.

Gleichzeitig gelangen keine Nährstoffe mehr aus der Tiefe an die Oberfläche, obwohl diese für das Phytoplankton und letztlich die gesamte Nahrungskette essenziell wären.
 

Abbildung 1: Maximale Durchmischungstiefe des Genfersees in den Wintern zwischen 1991 und 2026. Vollständige winterliche Durchmischungen sind in der Grafik durch rote Balken dargestellt.

Kampf gegen die Quaggamuschel

Auch die Ausbreitung invasiver Arten bedroht die Biodiversität im Genfersee. Die Quaggamuschel bereitet Fachleuten seit mehreren Jahren Sorgen, da sie das ökologische Gleichgewicht grundlegend verändert. Zwei Studien der CIPEL zeigen, dass diese aus dem Kaspischen Meer stammende Muschelart den See bis in eine Tiefe von 250 Metern besiedelt hat.

Einfluss der Lufttemperatur

Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen Temperaturen in allen Jahreszeiten konstant über den üblichen Monatswerten lagen. Im Jahr 2025 war das Oberflächenwasser um 1,7 °C wärmer als im Referenzzeitraum 1991–2020. Die Durchschnittstemperatur am Seegrund erreichte mit 6,5 Grad einen neuen Rekordwert. Seit 2012 steigt sie jährlich um 0,1 Grad an.

Weniger Phosphor im Wasser

Eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Dank gemeinsamer Anstrengungen von Frankreich und der Schweiz unter der Federführung der CIPEL ist der Phosphorgehalt im See deutlich gesunken. Durch den Bau und die Modernisierung von Kläranlagen, das Verbot von Phosphaten in Waschmitteln und geringeren Einträgen aus der Landwirtschaft lag die Konzentration 2024 bei 15,6 Mikrogramm pro Liter – so tief wie seit 1970 nicht mehr.

Quelle