Wasserstrategie

Abwasser gibt Aufschluss über Drogenkonsum

Der Generalrat von Sitten hat beschlossen, das Abwasser auf Drogenrückstände untersuchen zu lassen, um daraus Rückschlüsse auf den Konsum zu ziehen. Die Ergebnisse werden mit denen anderer Städte in der Schweiz verglichen.

Im Wallis verfügen bislang nur die Gerichte über Daten zum Konsum von Betäubungsmitteln. Abwasseranalysen werden den Behörden und der Sittener Bevölkerung jedoch bald ein genaueres Bild davon vermitteln. Eine Premiere für den Kanton.

Ein Indikator für politische Entscheidungen

Der Generalrat von Sitten will die Exekutive zur Finanzierung solcher Kontrollen veranlassen, um «das Ausmass des Drogenproblems auf Gemeindeebene zu ermitteln», so Vaïc Perruchoud, der das angenommene Postulat eingereicht hat. Der Stadtrat hat nun zwölf Monate Zeit, einen Bericht mit entsprechenden Vorschlägen vorzulegen.

«Angesichts des Schwarzmarkts setzen wir auf transparente Information, um die Öffentlichkeit aufzuklären und unsere politische Arbeit auf gesicherte Erkenntnisse statt auf blosse Vermutungen zu stützen», erklärt Generalrat Perruchoud. Der Vorteil von Abwasseranalysen liegt darin, dass die Daten anonym sind und ein Gesamtbild des Konsumverhaltens in der Bevölkerung ermöglichen.

Teilnahme an einem nationalen Forschungsprojekt

Doch wie funktioniert eine solche Abwasseranalyse? Die Forschenden suchen entweder nach der Substanz selbst oder nach im Urin enthaltenen Markern, um dadurch den Konsum verschiedener Suchtmittel, Medikamente sowie von Alkohol und Tabak zu bestimmen.
Pro Probe fallen Kosten in Höhe von 500 Franken an. Vaïc Perruchoud ist der Ansicht, dass sich mit 20 000 Franken pro Jahr und pro Abwasserreinigungsanlage – insgesamt also 40 000 Franken – ein ordnungsgemässes Monitoring einrichten lässt. Die beiden Sittener Kläranlagen behandeln auch das Abwasser aus den Gemeinden Savièse, Grimisuat, Arbaz, Vex und St-Léonard.

Sitten könnte sich damit dem landesweiten Überwachungssystem anschliessen, das vom Wasserforschungsinstitut Eawag koordiniert wird. Im Rahmen des Forschungsprojekts DroMedArio (Akronym für «Drogen, Medikamente, Alkohol- und Tabakrückstände: Abwasserbasierte Epidemiologie in der Schweiz») werden die Ergebnisse von Abwasseranalysen aus zehn Schweizer Städten, darunter Genf, Lausanne, Zürich und Neuenburg, zusammengetragen.

Quelle (auf Französisch)