Kantonales hydrologisches Bulletin – Juni 2026
Ein verfrühter Sommer
Wetter
Der Monat Juni war im Wallis von anhaltend heissem, sommerlichem Wetter geprägt. Nach einem relativ wechselhaften Monatsbeginn, bei dem sich sonnige Phasen mit vorüberziehenden Störungen mit Schauern und Gewittern abwechselten, stiegen die Temperaturen in der zweiten Monatshälfte unter dem Einfluss eines starken Hochdruckgebiets über Westeuropa allmählich an. Ab dem 18. Juni breitete sich über die ganze Schweiz eine Hitzewelle aus. Im Rhonetal überschritten die Temperaturen rasch die Schwellenwerte für starke Hitze, und es wurden mehrere Tropentage (Höchsttemperatur über 30 °C) in Folge verzeichnet. Diese Periode führte dazu, dass MeteoSchweiz für das Mittelwallis eine Hitzewarnung der Stufe 4 herausgab.
Diese aussergewöhnlich frühzeitige, intensive und langanhaltende Hitzewelle ging mit starker Sonneneinstrahlung und geringen Niederschlägen – abgesehen von lokalen Gewittern – einher, was zu einer verstärkten Austrocknung der Böden und einer beschleunigten Schneeschmelze in den Höhenlagen führte.
Die Niederschläge im Juni weisen eine starke räumliche Variabilität auf, wie es für ein von Gewitterphasen dominiertes Wettergeschehen typisch ist. In der Ebene schwankten die monatlichen Niederschlagsmengen generell zwischen 25 und 75 mm, während am Alpennord- und südkamm grössere Mengen zu verzeichnen waren. Die grössten Niederschlagsmengen wurden in der Region Dents du Midi gemessen, wo sie lokal 200 mm überstiegen (Abbildung 1).
Abbildung 1: Niederschlagssumme in Millimetern für Juni 2026. Quelle: MeteoSchweiz/CREALP.
Die starke räumliche Variabilität zeigt sich auch bei den Niederschlagsabweichungen gegenüber der Referenzperiode. Gewitterereignisse führten in den Berggebieten zu lokal überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen, vor allem entlang des Südalpenkamms sowie in der Region Dents du Midi. Am Alpennordkamm und im Goms hingegen betrugen die Niederschlagsmengen generell zwischen 65 und 95 % der normalen Niederschlagsmenge und waren somit insgesamt defizitär (Abbildung 2).
Abbildung 2: Monatliche Niederschlagsabweichung für Juni 2026 gegenüber der Referenzperiode 2010-2025, ausgedrückt in %. Quelle: MeteoSchweiz/CREALP.
Grundwasser
Im Juni 2026 zeigte sich ein gemischtes Bild: Die Grundwasserspiegel stiegen im Laufe des Monats zwar an, aber weniger stark als es für diese Jahreszeit üblich ist. Dieser eher verhaltene Anstieg führte dazu, dass das Grundwasser unter den für den Monat Juni üblichen Werten zurückblieb oder lokal (von Martigny talaufwärts) sogar auf extrem niedrige Stände absank.
Im Allgemeinen liegen die im vergangenen Monat gemessenen Grundwasserstände jedoch weiterhin im Normalbereich oder leicht darunter, mit Ausnahme der Region Siders (wo die Messstelle schon seit Beginn des Jahres 2026 aussergewöhnliche, vermutlich von lokalen Faktoren beeinflusste Werte liefert).
Während in den Vormonaten noch eher feuchte Bedingungen herrschten, scheinen sich im Juni bereits die Auswirkungen der heissen und stark schwankenden Wetterlage abzuzeichnen. Und auch die Auswirkungen der verstärkten Grundwassernutzung im vergangenen Monat sind bei der Interpretation der sinkenden Grundwasserstände möglicherweise nicht zu vernachlässigen.
- Region Unterwallis: Die am weitesten talabwärts gelegenen Messstellen in Seenähe weisen geringe Schwankungen auf (relative Stabilität), liegen jedoch unter den Normalwerten. Unterhalb des Rhoneknies bei Martigny zeigt sich ein besseres Bild, mit Grundwasserständen, die im Normalbereich bleiben.
- Region Mittelwallis: Oberhalb von Martigny wurden die für einen Juni üblichen Anstiege der Grundwasserstände beobachtet, allerdings gingen diese von einem bereits sehr tiefen Stand aus, weshalb sich die Werte in diesem Gebiet weiterhin auf einem sehr niedrigen bis extrem niedrigen Niveau bewegen. Weiter talaufwärts, in der Umgebung von Sitten, liegen die Grundwasserstände trotz geringer Anstiege oder sogar relativer Stabilität im Normalbereich.
- Region Oberwallis: Der Einfluss der Schneeschmelze macht sich bei der Entwicklung der Grundwasserspiegel deutlich bemerkbar, was für diese Jahreszeit zu erwarten ist. Diese Grundwasserneubildung ermöglicht die Aufrechterhaltung von Werten im Normalbereich (je nach Messstelle leicht trocken oder leicht feucht).
Abbildung 3: Kantonale Grundwasserüberwachung: Stand der im Monat Juni 2026 erhobenen Grundwasserstände. Quelle: Kantonales Überwachungsnetz für das Grundwasser. DUW/DNAGE/CREALP.
