Wasserstrategie

Neue Referenzdaten zur besseren Charakterisierung von Gewittern im Wallis

Im Wallis führen Gewitter häufig zu Sturzfluten oder Murgängen. Nach einem solchen Ereignis stellt sich jeweils die Frage, wie aussergewöhnlich das Gewitter im Vergleich zu früheren tatsächlich war.

Zur Beantwortung dieser Frage stehen den Fachleuten hauptsächlich zwei Datenquellen zur Verfügung: Niederschlagsmessstationen und Wetterradare. Die Messstationen zeichnen die Niederschläge am Boden präzise auf. Da die Messreihen oft mehrere Jahrzehnte zurückreichen, bilden sie heute die wichtigste Grundlage zur statistischen Einordnung seltener Niederschlagsereignisse. Das Netz dieser Stationen ist allerdings zu weitmaschig, um lokale Phänomene wie Gewitter zuverlässig zu erfassen.

Wetterradare wiederum liefern ein flächendeckendes Bild des Gebiets und sind daher für Analysen nach einem Ereignis besonders wertvoll. Anders als bei Bodenmessungen gibt es für sie bislang aber nur wenige statistische Bezugswerte, mit denen sich diese Beobachtungen in einen grösseren Zusammenhang stellen lassen.   

Um diese Lücke zu schliessen, hat die Dienststelle Naturgefahren des Kantons Wallis (DNAGE) ein Projekt zur Charakterisierung von Gewittern lanciert. Auf der Basis von zehn Jahren Radardaten von MeteoSchweiz soll ein kantonaler «Gewitterkataster» erstellt werden, der Aufschluss über Intensität, Dauer und räumliche Verteilung von Gewittern gibt und neue statistische Eckwerte liefert, die jene der Niederschlagsmessstationen ergänzen.

Diese neuen Referenzdaten sind allerdings mit Vorsicht zu interpretieren. Die Beobachtungen aus zehn Jahren bieten zwar eine solide Datengrundlage, um die Gewitter der jüngeren Vergangenheit zu dokumentieren und miteinander zu vergleichen. Für verlässliche Aussagen zur Häufigkeit besonders seltener Ereignisse ist der Zeitraum jedoch zu kurz. Ziel des Projekts ist es daher, das Potenzial der verfügbaren Daten optimal auszuschöpfen und dabei den Unsicherheiten und Grenzen von Radarmessungen Rechnung zu tragen.

Das Projekt sieht ausserdem eine Gegenüberstellung der Radardaten mit den Messungen am Boden vor. Dies soll dazu beitragen, die Unterschiede besser zu verstehen und die vorhandenen Informationen bei nachträglichen Ereignisanalysen fundierter zu bewerten. Langfristig sollen die neuen Referenzwerte aus den Radardaten den Ingenieurinnen und Ingenieuren helfen, die statistische Bedeutung von Gewitterereignissen zu beurteilen und die Datengrundlage für die Einschätzung von Naturgefahren zu stärken.

Quelle: DNAGE

Beispiel einer radarbasierten Schätzung der Niederschlagssumme während des Gewitters vom 2. Juli 2018 im Val d’Anniviers. Die Niederschlagsmessstationen sind durch schwarze Punkte dargestellt. Dieses Beispiel zeigt, dass sich Radardaten besonders gut für die Untersuchung sehr lokaler Wetterphänomene eignen.

Datenquelle: MeteoSchweiz / Guardaval