Die Bisse von Ricard ist die Suone des Jahres 2026
Der Verein der Walliser Suonen (VWS) hat die Bisse von Ricard, die vor fast 500 Jahren direkt in den Felsen gehauen wurde, zur «Suone des Jahres 2026» gewählt.
Die rund sieben Kilometer lange Wasserleite von Ricard bezieht ihr Wasser aus der Navisence unterhalb der Hängebrücke von Niouc. Dank ihr können Hunderte Hektaren Kulturland bewässert werden, darunter die Weinberge an den Hängen von Chippis, Chalais und Réchy. Das kürzlich restaurierte Bauwerk ist ein Zeugnis des handwerklichen Könnens und des Engagements all jener, die sich für dessen Erhalt starkmachen. Die Auszeichnung des VWS ist mit einem Preisgeld von 3000 Franken dotiert, die für die Instandhaltung dieser historischen Bewässerungskanäle bestimmt sind.
Wissenswertes zur Wasserleite
Die Suone von Ricard hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert. Sie ist bis heute in Betrieb und verläuft zunächst hoch über dem Wildbach entlang der Schlucht, ehe sie durch einen Tunnel weiter bis nach Chippis führt. Danach setzt das Wasser seinen Weg unter freiem Himmel oberhalb der Reben und Obstgärten von Chalais fort, bis es unterhalb des gleichnamigen Wasserfalls in die Rèche fliesst. Über weite Strecken lässt sich die Bisse auf einem Wanderweg erkunden.
Der Unterhalt einer Suone
Die Instandhaltung von Wasserleiten ist eine kontinuierliche Aufgabe, die in zwei Phasen gegliedert ist. Jedes Jahr im Frühling steht zunächst die Wiederinbetriebnahme an. Dafür arbeiten die Genossenschafter, die Verantwortlichen und verschiedene Fachleute Hand in Hand: Gemeinsam reinigen sie das Gerinne, entfernen Laub, Äste, Schlamm und Steine, die sich über den Winter angesammelt haben, beheben kleinere Schäden, kontrollieren die Schieber und sorgen dafür, dass der Kanal wieder dicht ist. Sind umfangreichere Massnahmen erforderlich, können mit der Unterstützung der Dienststelle für Landwirtschaft (DLW) Restaurierungsarbeiten vorgenommen werden, um diese historischen Bauwerke langfristig zu erhalten.
Sobald die Suone wieder in Betrieb ist, beginnt die zweite Phase: Hüterinnen und Hüter gehen den Bewässerungskanal regelmässig ab. Sie sorgen dafür, dass das Wasser ungehindert fliessen kann, beseitigen Hindernisse, reparieren Lecks und Leitungsbrüche, geben Wandernden Auskunft und achten auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Zudem spielen sie eine zentrale Rolle bei der Bewirtschaftung des Wassers und verteilen es entsprechend den Wasserrechten und dem jeweiligen Bedarf auf die verschiedenen Nutzenden. Damit bewahren sie ein über Jahrhunderte überliefertes Wissen und setzen eine ebenso lange Tradition gemeinschaftlicher Wasserverwaltung fort.
Der VWS
Der Verein engagiert sich für den Erhalt, die Aufwertung und die Förderung der Suonen im Kanton. Er stärkt den Dialog zwischen den beteiligten Akteuren, unterstützt Restaurierungsprojekte und trägt dazu bei, das Bewusstsein für die Bedeutung der Bewässerungskanäle für die Landwirtschaft, die Landschaft und das kulturelle Erbe des Wallis zu schärfen.
Darüber hinaus ist der VWS Initiant der Enzyklopädie der Walliser Suonen. Diese dokumentiert die Geschichte und Technik hinter den hiesigen Wasserleiten und soll dieses einzigartige Kulturerbe einem breiten Publikum näherbringen.
Jedes Jahr kürt der Verein ausserdem die «Suone des Jahres». Diese Auszeichnung wird abwechselnd an eine vorbildliche, bis heute in Betrieb stehende Bisse im Oberwallis und im französischsprachigen Wallis vergeben. Gewürdigt wird dabei auch das Engagement der Suonengeteilschaften sowie der Eigentümerinnen und Eigentümer, die ihren Unterhalt und ihre Weitergabe an künftige Generationen sicherstellen.
Das Walliser Suonenmuseum
Das Museum befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in Ayent. Als Kultureinrichtung von kantonaler Bedeutung und Kompetenzzentrum widmet es sich den Suonen, der traditionellen Bewässerung und dem Wassermanagement im Berggebiet.
Das Museum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wasserleiten als lebendiges Kulturerbe zu bewahren, zu dokumentieren, zu erforschen und bekannt zu machen. Dazu dienen Ausstellungen, Forschungsprojekte, Inventare, Publikationen und Vermittlungsangebote. Das Museum ist ein Ort des Wissens, der Koordination und der Vernetzung. Es unterstützt Gemeinwesen, Suonengeteilschaften, wissenschaftliche Institutionen und sämtliche Akteure, die sich für den Erhalt, die Bewirtschaftung und die Aufwertung der Suonen einsetzen.
Das Museum betreut zudem das Online-Inventar der Walliser Suonen sowie die digitale Mediathek. Beide bieten historische, technische, kulturgeschichtliche und praktische Informationen und sind damit eine wichtige Referenz für Forschende, Fachleute, Gemeinwesen und alle Interessierten.
Der VWS und das Walliser Suonenmuseum sind zwei eigenständige Organisationen, die eng zusammenarbeiten, um den Fortbestand der Wasserleiten zu sichern, sie zu erforschen und zur Geltung zu bringen. Gemeinsam betreiben sie das Portal suonen-wallis.ch mit ergänzenden Informationen und Inhalten. Darüber hinaus nimmt jede Organisation ihre eigenen Aufgaben wahr.

