Savièse: Wo Wasser geleitet und gefeiert wird
Die Gemeinde Savièse organisiert jeden Frühling zwei Veranstaltungen rund um Wasser: eine Besichtigung des Tunnels von Prabé im April und den Wassereinlass in die Suone im Mai.
Sobald im Frühjahr die Temperaturen stiegen und der Schnee in der Höhe ausreichend schmolz, um die Quellen zu speisen, machten sich in Savièse bis zu 200 Arbeiter daran, Wasser in die Suone Torrent-Neuf zu leiten. Da dieser Kanal jedoch nur eine begrenzte Wassermenge führen konnte und der Unterhalt äusserst aufwendig war, wurde er 1935 durch den Prabé-Tunnel ersetzt. Die Durchsticharbeiten erfolgten mit Meissel und Dynamit, und das Ausbruchmaterial wurde mit Wagen abtransportiert, die von Maultieren gezogen wurden. Diese Galerie wird auch heute noch genutzt und versorgt die Gemeinde mit Bewässerungswasser.
Ein knapp 5 Kilometer langes Bauwerk vom Sanetsch bis nach Savièse
Bereits im 15. Jahrhundert suchten die Einwohnerinnen und Einwohner von Savièse nach Lösungen, um ihre Wasserversorgung zu sichern. Der Bau der Suone Torrent-Neuf ermöglichte es, während 500 Jahren die Felder zu bewässern und zu bewirtschaften und damit die Bevölkerung zu ernähren. Später übernahm der Tunnel von Prabé diese Aufgabe, durch den das Wasser seither aus der Region Sanetsch nach Savièse fliesst. Nur einmal im Jahr, jeweils Ende April, ist dieser 4,8 Kilometer lange unterirdische Stollen ausnahmsweise für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer ihn begehen möchte, muss sich vorgängig bei der Gemeindeverwaltung von Savièse anmelden. Im vergangenen April war Rhône FM bei einer geführten Besichtigung mit dabei. Den Audiobeitrag dazu (auf Französisch) finden Sie hier.
Das Einleiten des Wassers
Beim traditionellen Wassereinlass kommen Menschen aus ganz unterschiedlichen, teils sich ergänzenden Tätigkeitsbereichen zusammen, um dieses Ereignis zu feiern. Im vergangenen Mai hob die Gemeindepräsidentin von Savièse, Marie Zuchuat, hervor, dass Wasser ein gemeinschaftliches Gut sei. Zugleich würdigte sie all jene, die den Bewässerungskanal Torrent-Neuf instand gehalten haben. Hier ein Auszug aus ihrer Rede:
«Dieser Tag ist eine Tradition, die tief in der Geschichte von Savièse verankert ist. Es ist ein Brauch, der uns jedes Jahr im Frühling zusammenführt und im Zeichen dessen steht, was unsere Gemeinde seit Jahrhunderten prägt: Wasser, gemeinsames Schaffen und zwischenmenschliche Beziehungen. In Savièse hatte das Wasser seit jeher eine besondere Bedeutung. Es war nie eine Selbstverständlichkeit. Es war schon immer eine Notwendigkeit. Mehr noch: Es musste ‹gewonnen› werden. Das erforderte Mut, grossen Einsatz, Einfallsreichtum und vor allem ein gewaltiges gemeinschaftliches Engagement. Alles musste hart erarbeitet werden. Man musste das Wasser von weit her holen, es durch die Berge führen, es bändigen, die Wasserwege unterhalten und sich dieses kostbare Gut mitunter verdienen. (…)
Wenn wir an unsere Vorfahren denken, die beim Bau der Suone Torrent-Neuf an den Felswänden hingen, oder an all jene, die den Prabé-Tunnel planten und in den Berg gruben, wird uns eines bewusst: Keine dieser Errungenschaften hätte eine Person alleine vollbringen können. Dass das Wasser seinen Weg bis hierher fand, verdanken wir Menschen, die einander vertrauten, zusammenarbeiteten und bisweilen sogar über sich hinauswuchsen – für etwas, das grösser war als sie selbst.»

