Kantonales hydrologisches Bulletin – Mai 2026
Starke Schwankungen bei grundlegender Trockenheit
Wetter
Der Monat Mai war von starken Wetterkontrasten geprägt. Nach einem relativ milden und trockenen Monatsbeginn kehrten am 5. und 6. Mai nach mehrwöchiger Trockenheit in weiten Teilen der Schweiz die Niederschläge zurück. Im Wallis fielen diese Niederschläge jedoch im Allgemeinen nur mässig aus, womit das Niederschlagsdefizit weiterhin gross blieb. Vom 11. bis 19. Mai sorgte ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien dafür, dass kalte und feuchte Luft in die Alpen strömte. Während dieser Zeit lagen die Temperaturen deutlich unter den saisonalen Durchschnittswerten. In den folgenden Tagen fiel in den Höhenlagen verschiedentlich Schnee. Die zweite Monatshälfte war dann von einem rasanten Temperaturanstieg geprägt. Zwischen dem 20. und 23. Mai setzte sich im ganzen Land allmählich sommerliches Wetter durch. Bereits am 24. Mai wurden im Rhonetal die ersten Tropentage des Jahres verzeichnet, was aussergewöhnlich früh war. In Sitten erreichten die Höchsttemperaturen am 27. Mai einen Wert von 34.2°C. Diese frühe Hitzewelle ging mit viel Sonnenschein und sehr trockenen Bedingungen zum Monatsende einher.
Die Niederschläge waren im gesamten Kanton insgesamt gering. Die grössten Mengen wurden im Unterwallis verzeichnet, vor allem in der Region Dents du Midi, wo die Messstation Clusanfe fast 150 mm registrierte. Im Gegensatz dazu reichte das Gebiet mit den geringsten Niederschlägen von Marigny bis Brig, insbesondere auf der linken Talseite der Rhoneebene, mit Niederschlagsmengen von durchschnittlich 25 bis 50 mm (Abbildung 1).
Abbildung 1: Niederschlagssumme in Millimetern für Mai 2026 Quelle: MeteoSchweiz/CREALP
Relativ und über den Verlauf der letzten Monate betrachtet, betrugen die Niederschlagsmengen im gesamten Kanton zwischen 50 und 65 % der Normalwerte des Referenzzeitraums, was sich in einem flächendeckenden Defizit zeigt (Abbildung 2). Dieses ist entlang des südlichen Alpenkamms sowie im Oberwallis besonders ausgeprägt, wo die Niederschlagsmengen nur 35 bis 50 % des Normalwerts erreichen. Das Unterwallis ist die Region, die den normalen Bedingungen am nächsten kommt, mit Werten zwischen 80 und 95 % (Abbildung 2).
Abbildung 2: Monatliche Niederschlagsabweichung für Mai 2026 gegenüber der Referenzperiode 2010-2025, ausgedrückt in %. Quelle: MeteoSchweiz/CREALP
Grundwasser
Im Mai war ein allgemeiner Anstieg der Grundwassersstände zu verzeichnen, der auf die infolge des Beginns der Schneeschmelze erhöhten Abflussmengen der Rhone zurückzuführen war.
Daher wirkt sich das im vergangenen Monat beobachtete Niederschlagsdefizit nicht negativ auf die Dynamik der Grundwasserleiter aus.
Wie schon in den vergangenen Monaten zu beobachten war, liegen die Grundwasserstände an den meisten Messstellen im Bereich der Normalwerte oder knapp darüber.
Was die Entwicklungstendenz betrifft, so ist bei allen Messstellen ein Anstieg zu verzeichnen. Die geringsten Anstiege sind in der Region Aigle (um 2 cm), in Sitten und unterhalb von Siders (um 8 cm) zu beobachten; diese Gebiete sind auf der Karte als gleichbleibend verzeichnet, da die Werte geringfügig bleiben. An anderen Stellen sind die Anstiege deutlich stärker, sie liegen im Bereich von etwa 10 bis 30 cm.
Die relativ hohen Grundwasserstände in der Region Siders kehren in Wertebereiche zurück, die für diese Jahreszeit üblicher sind. In der Region Martigny verbessert sich die Lage, denn obwohl die Grundwasserstände statistisch gesehen weiterhin sehr niedrig sind, ist ihr Anstieg deutlich zu erkennen.
Im Vergleich zur Vorjahresperiode scheint der Mai 2026 etwas niedrigere Grundwasserstände aufzuweisen, jedoch mit einer steigenden Tendenz.
- Region Unterwallis: Grundwasserstände um den Normalwert oder darüber, in der Region Coude de Martigny weiterhin niedrig, mit überall zu beobachtender steigender Tendenz.
- Region Mittelwallis: Grundwasserstände über oder gleich dem Normalwert. Überwiegend steigende Tendenz.
- Region Oberwallis: Grundwasserstände über oder gleich dem Normalwert mit steigender Tendenz.
Abbildung 3: Kantonale Grundwasserüberwachung: Stand der im Mai 2026 erhobenen Grundwasserstände. Quelle: Kantonales Überwachungsnetz für das Grundwasser. DUW/DNAGE/CREALP
