Val de Réchy

Chalais

Eine geschützte Naturlandschaft

Das Vallon de Réchy, das eingebettet zwischen dem Val d’Hérens und dem Val d’Anniviers liegt, ist ein echtes Kleinod voller Grün mitten in den Walliser Alpen. Dieser aussergewöhnliche Naturraum beherbergt eine einzigartige Flora und Fauna und bietet wilde Landschaften von unberührter Schönheit. Man findet dort keinerlei touristische Einrichtungen, nur einige Maiensässe und Alpgebäude.

Eine Moorlandschaft

Eine Moorlandschaft zeichnet sich nicht nur durch das Vorkommen von Mooren aus. Sie umfasst ein Mosaik aus Feuchtgebieten, Wiesen, Weiden, alpinen Rasen usw. Jede dieser Komponenten verleiht der Landschaft durch ihr nahezu natürliches Erscheinungsbild eine aussergewöhnliche Schönheit.

Aktuell ist die sommerliche Extensivbeweidung durch eine Herde Rinder die einzige landwirtschaftliche Aktivität, die hier betrieben wird. Im Flachmoor von Ar du Tsan ist sie jedoch untersagt, es ist zu empfindlich für diese Art der Bewirtschaftung.

Moorlandschaften sind Landschaften voller Kontraste und gelten als äusserst wertvolle Naturräume. Nicht zuletzt stellen sie die letzten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar.

Eine periglaziale Umgebung

Der Begriff „periglaziale Zone“ bezeichnet Gebiete, die kalten, aber nicht glazialen klimatischen Bedingungen ausgesetzt sind und in denen die Einwirkung von Frost- und Tauprozessen eine entscheidende Rolle spielen. Der Boden ist dann von zeitweiligem, täglichem und/oder saisonalem Frost geprägt. In manchen Bereichen ist der Untergrund dauerhaft gefroren. Dieser Frostboden (oder Permafrost) ist ein thermisches Phänomen, das alle Arten von Gesteinen oder Sedimenten betrifft.

Im oberen Teil des Tals dominieren spektakuläre Blockgletscher das Gelände. Diese Gesteinsbrocken sind der sichtbare Ausdruck der langsamen und kontinuierlichen Verformung einer Permafrostlandschaft voller Eis. Das Material stammt teilweise aus Schutthalden, teilweise aus ehemaligen Moränen. Ähnlich wie bei einem Lavastrom fliesst das Gesteinsmaterial mit extrem geringen Geschwindigkeiten im Bereich von wenigen Zentimetern oder Dezimetern pro Jahr den Hang hinunter.

Frostmusterböden (siehe nebenstehendes Foto) sind ein erstaunliches Beispiel für die Einwirkung von Frost- und Tauprozessen auf flache Böden mit spärlicher Vegetation. Können Sie sie auf den letzten Abflachungen ganz oben im Tal entdecken?

Ein Schutzgebiet von nationaler Bedeutung

1850 bedeckten Moore rund 250'000 Hektaren der Schweiz, was ungefähr der Hälfte der Fläche des Kantons Wallis entspricht. 90 % davon sind heute aufgrund von Entwässerung oder Torfabbau verschwunden. Nach der Rothenturm-Initiative, die von der Bevölkerung 1987 angenommen wurde, hat die Eidgenossenschaft Moore und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationalem Interesse unter Schutz gestellt.

Dies gilt sowohl für die Flachmoore von Ar du Tsan und La Rèche als auch für den oberen Teil des Vallon de Réchy. Seit 2015 ermöglicht ein kantonaler Entscheid, die Schutzziele und die geltenden Verhaltensregeln zu präzisieren.

Ein Moor, was ist das?

Ein Moor kann sich überall dort bilden, wo der Boden wassergesättigt und daher sauerstoffarm ist. Reste von abgestorbenen Pflanzen zersetzen sich hier nur unvollständig. Sie häufen sich an und bilden Torf.

Man unterscheidet zwei Arten von Mooren. Die erste, Hochmoor oder Torfmoor genannt, wird ausschliesslich von sehr nährstoffarmem Regenwasser gespeist. Im Wallis sind Hochmoore eher selten, diese Art Moor kommt im Vallon de Réchy nicht vor. Die zweite, das Flachmoor, wird überwiegend von Wasser gespeist, das nach Zirkulation im Boden mehr oder weniger mit Mineralien angereichert ist. Flachmoore zeichnen sich durch eine Flora aus, die an ständige Feuchtigkeit angepasst ist, darunter die nebenstehend abgebildeten Wollgräser. Flachmoore dominieren weithin die Hochebene von Ar du Tsan und schmücken sie ab Mitte des Sommers mit bräunlichen Farben.

Ein Mosaik aus Feuchtgebieten

Das zweite auffällige Element von Ar du Tsan ist zweifellos der mäandrierende Verlauf der Rèche. Diese Windungen sind darauf zurückzuführen, dass der Fluss im abgeflachten Bereich frei fliessen kann, sie werden begünstigt durch eine Felsbarriere stromabwärts. Die subtilen Veränderungen des Flussverlaufs im Laufe der Jahrzehnte haben zur Entwicklung eines Mosaiks aus Flachmooren, Tümpeln, Heiden und Auenvegetation geführt. Die Gesamtheit dieser Biotope beherbergt einen grossen botanischen Reichtum, darunter viele Arten, die auf alpine Feuchtgebiete angewiesen sind.

Die Fauna ist dagegen weniger vielfältig, da sich nur wenige Arten an die Besonderheit dieser Biotope anpassen konnten.

Zu den wenigen vorkommenden Arten gehört die Sumpfschrecke (siehe Foto), die ihre Ernährung an die zähen Stängel und Blätter angepasst hat, die sie dort vorfindet. Ihre Population ist jedoch rückläufig, was mit dem Verschwinden der Moorflächen im Alpenraum zusammenhängt.

Flora

Schweizer Mannsschild

Schweizer Mannsschild
Androsace helvetica

Frauenschuh

Frauenschuh
Cypripedium calceolus

Edelweiss

Edelweiss
Leontopodium alpinium

Scheuchzers Wollgras

Scheuchzers Wollgras
Eriophorum sheuchzeri

Gegenblättriger Steinbrech

Gegenblättriger Steinbrech
Saxifraga oppositifolia

Zweifarbige Segge

Zweifarbige Segge
Carex bicolor

Gletscher-Hahnenfuss

Gletscher-Hahnenfuss
Ranunculus glacialis

Spinnweb-Hauswurz

Spinnweb-Hauswurz
Sempervivum arachnoideum

Fauna

Gämse

Alpensteinbock
Capra ibex

Murmeltier

Murmeltier
Marmota marmota

Alpensteinbock

Gämse
Rupicapra rupicapra

Sumpfschrecke

Sumpfschrecke
Stethophyma grossum

Alpenschneehuhn

Alpenschneehuhn
Lagopus muta

Alpenmolch

Alpenmolch
Ichthyosaura alpestris

Hermelin

Hermelin
Mustela erminea

Grasfrosch

Grasfrosch
Rana temporaria

Informationen

Gemeinde Chalais
Zugang
Seilbahn Vercorin, vom Bahnhof Sierre fahren die Postautos nach Vercorin hinauf.
Mit dem Auto nach Vercorin und oberhalb des Dorfes parken. Dann 45 min-1h Wanderung entlang der Bisse de Vercorin.
Infrastrukturen Wanderwege, Broschüre, Schilder
Beschluss N° 451.352
Fläche 1122.2 ha, Schutzperimeter
Bedeutung Nationale, Niedermoor (2015)
Dokumente www.nax-region.ch

Texte : Drosera SA | Grafik : Atelier EtCo. | Fotos : Drosera SA | Illustrationen : Sonja Gerber

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