Feegletscher

Saas-Fee

Wilkommen

Am 19. September 2018 wurde das Gletschervorfeld des Feegletschers Nord durch einen kantonalen Entscheid zum Naturschutzgebiet erklärt. Ziel der Unterschutzstellung ist es, das Auengebiet sowie die natürliche Dynamik des Gewässer- und Geschiebehaushaltes zu bewahren. Gleichzeitig sollen die typischen Tier- und Pflanzenarten sowie die natürliche Entwicklung der Lebensräume in diesem Gebiet gefördert werden. Im Schutzgebiet bestehen Nutzungseinschränkungen.

Feegletscher, Foto: © DWNL

Gletschervorfeld

Seit dem Ende der «Kleinen Eiszeit» Mitte des 19. Jahrhunderts ziehen sich die Gletscher zurück und geben karges Neuland frei. Diese Fläche, welche zwischen Gletscherrand und Moräne des neuzeitlichen Gletscherhochstands von 1850 entsteht, wird als Gletschervorfeld bezeichnet. Überschwemmungen, Erosion und Ablagerung prägen Landschaft und Lebensräume. Das nahe Bestehen von verschiedenen Entwicklungsstadien der Vegetation, unterschiedlichen Böden sowie Wasserrinnsale, Quellen und Seen führen zu einem interessanten und abwechslungsreichen Mosaik in der Landschaft. Im engen Nebeneinander sind Pioniervegetation, Ufergesellschaften und Quellfluren, Flachmoorgesellschaften, Rasengesellschaften, Staudenfluren und Gebüsche, Auenvegetation und Wald anzutreffen. 


 

Dynamik schaft Biodiversität

Sobald sich das Eis zurückgezogen hat, wird Raum für neues Leben geschaffen. Die Besiedelung verläuft sehr langsam, beginnt jedoch sofort beim Verschwinden des Eises. Vor allem Pflanzen mit leichten und flugfähigen Samen besiedeln als Erste die Flächen. Nicht nur der Wind trägt zur Besiedelung im Gletschervorfeld bei, sondern auch über das Wasser werden Arten eingeschwemmt.

 

Auf dem sandigen und trockenen Boden haben es die Pflanzen zusätzlich schwer. Auch die geomorphologischen Störungen, wie Überschwemmungen machen es den Pionieren nicht leicht. Die Pionierpflanzen stabilisieren den Boden und schaffen somit eine Grundlage für die Besiedelung weiterer Pflanzenarten und bieten Nahrung für erste Insektenarten. Nach ungefähr 40-60 Jahren ist ein Höhepunkt in der Artenvielfalt erreicht. Bis dahin hat es genügend Platz für alle. Dann wird es enger und die Konkurrenz steigt, Arten werden verdrängt. Vor allem dann, wenn Bäume und Sträucher die Überhand nehmen.

Bach-Steinbrech
Saxifraga aizoides

Fleischers Weidenröschen
Epilobium fleischeri

Alpine Auen

Das vorliegende Gletschervorfeld ist Bestandteil des Bundesinventars der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Erst 2001 wurden auch alpine Auen in die Auenverordnung aufgenommen, obwohl ein Grossteil davon in unberührter Natur liegt. Mit diesem Schritt zeigte sich der Naturschutz vorausschauend. Die dynamischen Prozesse innerhalb alpiner Auen können beispielsweise durch Materialentnahmen, Wasserfassungen (für Stromproduktion oder Beschneiungsanlagen) oder Gerinneverbauungen gestört werden. Im Schutzperimeter Feegletscher ist die Kiesausbeutung nur noch aus Sicherheitsgründen zugelassen, falls Personen oder Sachwerte durch die Kiesansammlungen bedroht sind. Auch Totholz wird liegen gelassen, da dieses die Lebensgrundlage für viele Insekten, Pilze, Moose und Flechten bildet sowie vielen weiteren Tieren als Schlaf- und Versteckplätze dient.

Informationen

Gemeinde  
Zugang
 
 
Infrastrukturen  
Beschluss N°451.353 (2018)
Fläche 93.5 ha, Schutzperimeter
Bedeutung Nationale und kantonale
   

Redaktion : Ekolog | Artenzeichnungen : Igor Paratte | Visuelle Gestaltung : etco.ch