Pilotprojekt Sozialberatung in Arztpraxen
Der Kanton Wallis startet ein Pilotprojekt für Sozialberatung direkt in Arztpraxen. Damit soll die Begleitung von Patientinnen und Patienten mit sozialen Schwierigkeiten verstärkt werden. Diese Beratung ergänzt damit die medizinische Betreuung. Ziel ist es, den Zugang zu bestehenden Unterstützungsangeboten zu erleichtern. Gleichzeitig sollen Ärztinnen und Ärzte entlastet werden, wenn in der Sprechstunde soziale Probleme von Patientinnen und Patienten zur Sprache kommen.
Viele Anliegen in ärztlichen Konsultationen betreffen auch soziale, administrative oder finanzielle Fragen. Hausärztinnen und Hausärzte, Geriaterinnen und Geriater sowie Kinderärztinnen und Kinderärzte stellen eine Zunahme solcher Anfragen fest. Häufig geht es um Versicherungen, administrative Schritte, Isolation sowie familiäre oder wirtschaftliche Schwierigkeiten. Diese Situationen brauchen Zeit und spezifisches Fachwissen. Das kann zulasten der medizinischen Betreuung gehen.
Um eine konkrete und gut erreichbare Unterstützung anzubieten, wird eine Sozialarbeiterin direkt in zwei Pilotpraxen im Walliser Chablais tätig sein. Für erwachsene Patientinnen und Patienten findet das Angebot in der Arztpraxis Cabinet médical du Verger in Collombey statt. Für Kinder und Jugendliche findet es im Centre Pédiatrique Pluridisciplinaire du Chablais Valaisan (CPPCV) in Monthey statt. Die Sozialberatungen sind kostenlos und vertraulich. Sie richten sich an Patientinnen und Patienten mit Wohnsitz im Wallis.
Frühere und besser koordinierte Unterstützung
Das Pilotprojekt verfolgt mehrere Ziele: Es soll den Zugang zu Sozialleistungen erleichtern, die Nichtinanspruchnahme bestehender Leistungen verringern und die Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Sozialbereich stärken. Patientinnen und Patienten können rasch an die für ihre Situation passenden Stellen und Angebote weitergeleitet werden. Dies kann direkt im Anschluss an eine ärztliche Konsultation erfolgen.
Der Ansatz soll auch Ärztinnen und Ärzte entlasten. Soziale Fragen werden spezialisierten Fachpersonen anvertraut. Gleichzeitig wird die Qualität der ganzheitlichen Begleitung der Patientinnen und Patienten gestärkt.
Das Projekt entspricht den Schwerpunkten der Dienststelle für Sozialwesen. Es steht zudem im Zusammenhang mit der gesundheits- und sozialpolitischen Strategie Generationen 60+ sowie dem Masterplan zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in der ambulanten Gesundheitsversorgung. Es stützt sich zudem auf Erfahrungen und Studien aus der Schweiz. Diese zeigen, dass eine integrierte soziale Begleitung die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert und die Wirksamkeit der medizinischen Betreuung stärkt.
Einjährige Pilotphase
Die Pilotphase dauert vom 1. Juni 2026 bis zum 31. Mai 2027. Das Projekt wird von der Dienststelle für Sozialwesen in Zusammenarbeit mit dem Kantonsarztamt getragen.
Die Hochschule für Soziale Arbeit wird das Projekt wissenschaftlich begleiten. Dabei werden die Wirkung des Angebots und sein Entwicklungspotenzial auf kantonaler Ebene geprüft.
