Betreuende Angehörige - Das Bewusstsein insbesondere bei jungen Menschen stärken
Anlässlich des Tages der betreuenden Angehörigen am 30. Oktober setzt sich der Kanton Wallis dafür ein, die Lebensrealität derjenigen besser bekannt zu machen, die täglich einen kranken, älteren, behinderten, suchtkranken oder in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkten Angehörigen betreuen. In diesem Jahr bestehen die Sensibilisierungsmassnahmen aus einem neuen pädagogischen Material für Schulen und einem Informationsstand im Spital von Sitten. Diese beiden Initiativen zielen darauf ab, das Engagement der betreuenden Angehörigen sichtbarer zu machen, ihnen den Zugang zu den verfügbaren Ressourcen zu erleichtern und die Solidarität zu fördern.
Einem Angehörigen zu helfen, ist oft eine Selbstverständlichkeit. Einkaufen, eine Mahlzeit zubereiten, zu einem Termin begleiten, Behördengänge erledigen oder einfach nur da sein: Die Pflege von Angehörigen lässt sich nahtlos in den Alltag integrieren. Sie kann einen Elternteil, einen Ehepartner, ein Kind, aber auch eine Freundin, einen Freund oder einen Bekannten betreffen. Da sich dieses Engagement oft schrittweise entwickelt, erkennen sich die Hilfeleistenden nicht immer als betreuende Angehörige.
Dies gilt insbesondere für junge betreuende Angehörige. In der Schweiz leisten laut dem nationalen Gesundheitsbericht 2020 fast 8 % der 10- bis 15-Jährigen regelmäßig Hilfe für einen Angehörigen. Diese Realität bleibt jedoch oft unsichtbar, da sich viele junge betreuende Angehörige nicht als solche erkennen und keine Hilfe in Anspruch nehmen. Auch wenn dieses Engagement Empathie und Solidarität fördern kann, können zu grosse Verantwortlichkeiten auch zu Erschöpfung, Isolation, Stress oder schulischen Schwierigkeiten führen.
Neues Unterrichtsmaterial für Walliser Schulen
Um jungen Menschen die Realität der betreuenden Angehörigen näherzubringen, hat die Vereinigung «Betreuende Angehörige Wallis» pädagogisches Unterrichtsmaterial, das ursprünglich vom Kanton Jura entwickelt wurde, an die Walliser Gegebenheiten angepasst. In Zusammenarbeit mit der Dienststelle für Unterrichtswesen wird dieses Material ab dem 30. Oktober 2026 den Klassen der Zyklen 2 (5H bis 8H) und 3 (9CO bis 11CO) zur Verfügung gestellt.
Anhand dieses Materials, das Geschichten, Videos, Lieder, Diskussionen und Aktivitäten umfasst, erfahren die Schüler, was es bedeutet, eine betreuende Angehörige oder ein betreuender Angehöriger zu sein. So können sie ihre Erfahrungen in Worte fassen und gleichzeitig lernen, verschiedene Situationen zu erkennen und verfügbare Hilfsangebote zu identifizieren.
Dieses Projekt steht im Einklang mit den Zielen des Westschweizer Lehrplans. Es bietet Lehrkräften konkrete Hilfsmittel, um bestimmte Situationen der betreuenden Angehörigen besser zu erkennen und die Schüler sowie deren Familien bei Bedarf an die zuständigen Stellen weiterzuverweisen.
Ein temporäres Dorf im Spital von Sitten
Ob bei Jugendlichen oder Erwachsenen – die Unterstützungsangebote für betreuende Angehörige sind noch immer zu oft unbekannt oder werden nicht ausreichend in Anspruch genommen. Unter Berücksichtigung des Engagements dieser Menschen können sie jedoch dazu beitragen, den Alltag zu erleichtern, sich an den Kosten für die Pflege zu beteiligen oder Entlastungsdienste zu finanzieren. Einige Unterstützungsangebote ermöglichen es zudem, die Pflege leichter mit einer beruflichen Tätigkeit in Einklang zu bringen.
Mit der Einrichtung eines temporären Informationsdorfes im Spital von Sitten am
30. Oktober möchten das Spital Wallis und die Vereinigung «Betreuende Angehörige Wallis» die bestehenden Ressourcen besser bekannt machen. Familien, betreuende Angehörige und Fachleute sind eingeladen, dort mit Institutionen und Vereinen, die im Bereich der betreuenden Angehörigen tätig sind, ins Gespräch zu kommen, um sich über den Betreuungsbedarf auszutauschen und die verfügbaren Unterstützungsangebote kennenzulernen.
Neun Kantone machen sich stark
Diese beiden Initiativen werden anlässlich des Tages der betreuenden Angehörigen am 30. Oktober ins Leben gerufen, an dem sich die Kantone Wallis, Genf, Freiburg, Jura, Bern, Graubünden, Tessin, Neuenburg und Waadt beteiligen. Für diese 13. Ausgabe lautet der Aufruf: „Lasst uns gemeinsam die betreuenden Angehörigen unterstützen und sie ermutigen, ihre Rechte geltend zu machen.“ Diese Allianz fördert den Austausch zwischen den Kantonen sowie mit der auf nationaler Ebene tätigen Interessengemeinschaft betreuende Angehörige (CIPA).
Weitere Informationen finden Sie unter: www.betreuende-angehoerige-wallis.ch

