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Eine internationale Tagung in Sitten zum Neolithikum im Alpenraum

Von 7. bis 10. Oktober 2026 findet in Sitten die internationale Tagung NeoAlps26 zum Neolithikum im Alpenraum statt. Die vom kantonalen Amt für Archäologie und dem Verein Pro Vallensi initiierte Veranstaltung bringt während vier Tagen mehrere Dutzend Fachleute zusammen, die sich über die neuen Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung in den Alpen austauschen werden. Das Wallis steht im Zentrum der Tagung, weist es doch besonders viele Überreste aus dieser Zeit auf, die von tiefgreifenden Veränderungen in den menschlichen Gesellschaften geprägt war. Im Rahmen dieses Kolloquiums wird ausserdem ein kostenloser, öffentlich zugänglicher Vortrag angeboten.

Mehrere bedeutende archäologische Funde haben in jüngster Zeit neue Erkenntnisse zum Neolithikum im Wallis geliefert. In Sitten wurden auf dem Gelände der ehemaligen Zeughäuser die ältesten bisher bekannten Pflugspuren Europas entdeckt. Diese haben zu einer neuen Erörterung der landwirtschaftlichen Praktiken und der gesellschaftlichen Organisation der ersten landwirtschaftlichen Bevölkerungen in Europa geführt. In Naters-Breiten wurden zwischen 2020 und 2022 zahlreiche Strukturen ausgegraben. Dadurch bot sich erstmals die Gelegenheit, die Entwicklung eines Siedlungsorts über einen Zeitraum von nahezu 1500 Jahren zu rekonstruieren.

Diese Fortschritte haben verdeutlicht, dass die Rolle der Alpen, die lange Zeit als Pufferzone zwischen den bedeutenden Kulturräumen des neolithischen Europas betrachtet wurden, neu bewertet werden muss. Die Entdeckungen der letzten drei Jahrzehnte lassen darauf schliessen, dass die Alpen als dynamische, bewohnte und vernetzte Räume zu verstehen sind und nicht lediglich als Durchgangsgebiete oder Orte, deren Ressourcen genutzt wurden. Die Forschungsarbeiten erstrecken sich über ein grosses geografisches Gebiet; umfassende Gesamtdarstellungen sind bislang selten.

Eine Zusammenkunft internationaler Fachleute

Um dem Bedarf an Gesamtdarstellungen dieser neuen Erkenntnisse Rechnung zu tragen, haben das kantonale Amt für Archäologie und der Verein Pro Vallensi die Organisation der internationalen Tagung NeoAlps26 in die Wege geleitet. An der Organisation beteiligten sich fünf Universitäten, darunter vier aus Europa. Dies unterstreicht den Bedarf an neuen Modellen für das Neolithikum, welche die in den Alpen gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigen. Das reiche archäologische Erbe der Alpen ist nur wenig bekannt. Ausserdem soll dank der Tagung eine neue wissenschaftliche Dynamik rund um den Alpenraum entstehen.

Die während der Tagung präsentierten wissenschaftlichen Beiträge werden in einer frei zugänglichen Onlinepublikation zusammengeführt. Diese soll dazu beitragen, die Ergebnisse der Tagung einem möglichst breiten Publikum zu kommunizieren. Die Publikation ist für 2028 vorgesehen.

Ein Referat für die breite Öffentlichkeit

Im Rahmen der Fachtagung findet auch ein Referat für die breite Öffentlichkeit statt, zu dem der Eintritt frei ist. Am Mittwoch, 7. Oktober, um 18.30 Uhr referiert Marc-Antoine Kaeser, Professor und Direktor des Laténium – Park und archäologisches Museum Neuenburg, im Noda WKB Kultur- und Kongresszentrum in Sitten.

Unter dem Titel Das Neolithikum ist nicht mehr, was es einmal war! Die jüngsten Forschungsergebnisse aus der Sicht eines Pfahlbauers beleuchtet der Referent das Neolithikum im Alpenraum aus der Perspektive des Jurasüdfusses und des Drei-Seen-Lands.

Die Tagung knüpft an ein besonders reichhaltiges Jahr zum Thema Neolithikum an. Seit Juni 2026 präsentiert die Ausstellung Die [Un]sterblichen: die neolithischen Stelen von Sitten, die vom Geschichtsmuseum Wallis und vom kantonalen Amt für Archäologie in der Jesuitenkirche gezeigt wird, rund zwanzig anthropomorphe Stelen – eine der bemerkenswertesten archäologischen Objektgruppen Europas.

Mehr erfahren: https://neoalps.ch