Medienmitteilungen Unterrichtswesen

Walliser Schule - Das integrative Modell hat sich bewährt, muss aber gestärkt werden

Das Wallis gehört zu den Schweizer Kantonen, die im interkantonalen Vergleich mit relativ bescheidenen Mitteln das höchste Niveau an schulischer Integration erreichen. Dies geht aus dem Bericht des Schweizer Zentrums für Heil- und Sonderpädagogik (SZH) hervor. Er wurde vom Departement für Volkswirtschaft und Bildung aufgrund eines Postulats des Grossen Rates in Auftrag gegeben. Dieser Studie zufolge hat sich das aktuelle Modell bewährt, muss jedoch gestärkt werden, um den sich wandelnden Anforderungen gerecht zu werden. Es werden mehrere Empfehlungen ausgesprochen, um die Effizienz des Systems zu verbessern und zu steigern. Der durch den Staatsrat verabschiedete Bericht wurde an den Grossen Rat weitergeleitet. ​​​​​​​

Aufgrund eines Postulats des Grossen Rates aus dem Jahr 2024 hat das Departement für Volkswirtschaft und Bildung (DVB) das Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH) beauftragt, eine Analyse der integrativen Schule im Kanton Wallis durchzuführen.

Die Studie, die auf historischen Dokumenten, statistischen Daten und fünfzig Interviews mit den wichtigsten Akteuren der obligatorischen Schule basiert, zeigt, dass es den Walliser Schulen heute gelingt, die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler erfolgreich in die Regelstrukturen zu integrieren. Der Bericht hebt das Engagement der Lehrpersonen im Regel- und Sonderschulunterricht sowie der Schuldirektionen und Partner hervor. Das Walliser Schulsystem fördert somit nicht nur das schulische Lernen, sondern auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das Zusammenleben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Diese Feststellung steht in einer langen kantonalen Tradition. Seit mehreren Jahrzehnten integriert das Walliser Schulwesen Kinder mit Behinderungen in die Schulen in ihrer Nähe, in ihrem Quartier oder in ihrer Gemeinde. Dieser gemeinsame Wille bildet eine der Grundlagen der schulischen Integration im Wallis. Sie ermöglicht zudem eine Einzelfallprüfung, um bestimmten Schülerinnen und Schülern alternative Lösungen wie Sonderklassen oder Sonderschulen anzubieten.

Dem Bericht zufolge gehört das Wallis zu den Schweizer Kantonen, die im interkantonalen Vergleich mit relativ bescheidenen Mitteln das höchste Niveau an schulischer Integration erreichen. Diese Situation zeugt von der Effizienz und dem Engagement der Akteure vor Ort und der Eltern, macht aber auch die Grenzen deutlich, an die das Schulsystem mittlerweile stösst. Insbesondere weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass der Anstieg der Zahl der betroffenen Schülerinnen und Schüler sowie der sich wandelnde Unterstützungsbedarf durch die derzeit verfügbaren Ressourcen nicht vollständig abgedeckt werden. Sie weisen darauf hin, dass es zu Auswirkungen auf alle Klassen und das gesamte Schulsystem kommen kann, wenn die erforderlichen Mittel nicht rasch eingeplant werden können.

Was Fälle von gewalttätigem oder stark störendem Verhalten angeht, so geht aus dem Bericht hervor, dass diese zwar nach wie vor eine Minderheit darstellen, jedoch angemessene, schnelle und vorübergehende Massnahmen erfordern. Diese Fälle dürfen die Grundsätze der schulischen Integration nicht in Frage stellen, sondern müssen zur Entwicklung spezifischer Unterstützungs- und Kriseninterventionsmassnahmen führen.

Schliesslich wird im Bericht darauf hingewiesen, dass die systematische Ausgliederung von Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten in spezielle Einrichtungen die Möglichkeiten des gegenseitigen Lernens einschränken und die Entwicklung inklusiver Kompetenzen in der Regelschule behindern kann, was wiederum die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft beeinträchtigt.

Um das Erreichte zu festigen und die Zukunft vorzubereiten, werden drei Hauptrichtungen vorgeschlagen:

  • die Finanzplanung für die obligatorische Schule nicht nur an die Entwicklung der Schülerzahlen, sondern auch an den steigenden Unterstützungsbedarf der Schülerinnen und Schüler anzupassen
  • die Flexibilität und damit die Wirksamkeit der Unterstützungsmassnahmen zu stärken 
  • die Kompetenzen der schulischen Akteure weiterzuentwickeln, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden

Das DVB wird seine Arbeit mit allen betroffenen Partnern fortsetzen, damit die Walliser Schulen auch weiterhin allen Schülerinnen und Schülern die notwendigen Voraussetzungen für ihren Erfolg und ihre Teilhabe am Gemeinschaftsleben bieten.

Der durch den Staatsrat verabschiedete Bericht des SZH wurde an den Grossen Rat weitergeleitet.

Illustratiosbild