Die [Un]sterblichen – die neolithischen Stelen von Sitten haben im Chor der Jesuitenkirche einen würdigen Ausstellungort gefunden
Ab 26. Juni 2026 präsentieren das Geschichtsmuseum Wallis und das kantonale Amt für Archäologie die Ausstellung Die [Un]Sterblichen: die neolithischen Stelen von Sitten. Zum ersten Mal werden knapp zwanzig anthropomorphe Stelen aus dem Neolithikum in einer umfangreichen Präsentation gezeigt. Die Jesuitenkirche, an sich schon ein aussergewöhnliches Kulturerbe, bietet einen angemessenen Rahmen für dieses archäologische Ensemble, eines der bemerkenswertesten in Europa. Eine ambitionierte Inszenierung und ein vielfältiges Vermittlungsangebot laden ein breites Publikum ein, die Geheimnisse der 4 500 Jahre alten Stelen zu entdecken.
Sie entstanden zur selben Zeit wie die Pyramiden von Gizeh und Stonehenge, in Südengland – die neolithischen Stelen von Sitten zählen zu den Meisterwerken der prähistorischen Kunst Europas. Die an den Fundorten Petit-Chasseur, Don Bosco und Amandiers, in Sitten, entdeckten Stelen stellen Frauen und Männer von hohem gesellschaftlichem Rang dar; ihre Kleidung, ihr Schmuck und teilweise sogar ihre Waffen sind darauf zu erkennen.
Die aussergewöhnlichen Stelen sind über die Schweizer Landesgrenzen hinaus bekannt – sie wurden schon in angesehenen internationalen Häusern wie dem British Museum ausgestellt. Die aktuelle Präsentation in der Jesuitenkirche bietet einen Rahmen, welcher der historischen, künstlerischen und kulturerblichen Dimension der Stelen gerecht wird.
Eine faszinierende Begegnung mit der Vergangenheit
In einer Walliser Premiere sind rund zwanzig neolithische Stelen an einem Ort vereint. Die [Un]Sterblichen bietet die Möglichkeit einer unmittelbaren Konfrontation mit den eindrücklichen Steinfiguren, die von sozialer Ordnung, Glauben und Machtbeziehungen innerhalb der alpinen Gemeinschaften im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung erzählen. Erst errichtet und verehrt, dann bewusst niedergerissen, später zum Teil für Grabbauten weiterverwertet – die Stelen haben schon mehrere Lebenszyklen durchlaufen. Heute wird ihre komplexe Geschichte dank über 60-jähriger archäologischer Forschungsarbeit weitergegeben.
Die Ausstellung präsentiert insbesondere jene Stelen, welche in jüngerer Zeit an den Fundorten Don Bosco und Amandiers entdeckt wurden. Dank einem innovativen Vorgehen, in dem Fachleute aus den Bereichen Archäologie sowie Konservierung und Restaurierung zusammenarbeiteten, konnten Pigmentüberreste identifiziert und neue Erkenntnisse über die Herstellung dieser Monumente gewonnen werden – dabei wurde eine noch reichere Vielfalt offenbart als bisher angenommen.
Ein aussergewöhnlicher Rahmen für eine ambitionierte Inszenierung
Die Jesuitenkirche, im Herzen der Altstadt von Sitten, ist ein ganz besonderer Ort für die Präsentation der Stelen. Die Inszenierung schafft einen Dialog zwischen der neoklassizistischen Architektur der Kirche und der Monumentalität der prähistorischen Werke. Bei der Installation der Stelen im Schiff und im Chor wurden der Beleuchtung und räumlichen Ausrichtung besondere Beachtung geschenkt, damit die Stelen bestmöglich zur Geltung kommen und auch der Ort als Teil des Kulturerbes gewürdigt wird.
Ein Rundgang mit breitem Vermittlungsangebot
Die für ein breites Publikum konzipierte Ausstellung räumt der Kulturvermittlung einen zentralen Platz ein. Multimediale Stationen zur Begleitung der Besuchenden machen auf Details aufmerksam, die von blossem Auge, aufgrund der eingetretenen Verwitterung, oft nicht zu erkennen sind.
Projektionen, Illustrationen, ein Modell und Audioführer machen die Geschichte der Stelen, ihre Herstellung, Nutzung und Wiederentdeckung durch die Archäologinnen und Archäologen verständlich. An verschiedenen interaktiven Stationen dürfen die Besuchenden Reproduktionen der Stelen und weiterer archäologischer Objekte anfassen.
Diese Vielfalt an Vermittlungsmedien bietet mehrere Zugangsebenen und ermöglicht es allen Besuchenden, unabhängig von Alter oder Vorkenntnissen, die Inhalte der Ausstellung zu erschliessen. Um die Ausstellung möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, werden verschiedene Besuchserlebnisse angeboten. Anhand eines Begleithefts in einfacher Sprache, auf Deutsch und Französisch, kann man die Ausstellung selbständig besuchen.
Die Archäologie im Mittelpunkt des Eröffnungswochenendes
Am Eröffnungswochenende des 20. und 21. Juni 2026 feiert die Walliser archäologische Gesellschaft (AVA-WAG) ihr 25-jähriges Bestehen. Die Einweihung steht mit einem vielfältigen Programm an Gratisaktivitäten im Zeichen der Entdeckung.
In der Jesuitenkirche kann sich das Publikum im Rahmen von Führungen, künstlerischen Performances und Animationen für Familien von der markanten Präsenz der Stelen beeindrucken lassen. Das Geschichtsmuseum Wallis hat in Zusammenarbeit mit Le Spot mehreren Walliser Kunstschaffenden Carte Blanche erteilt, damit sie ihre eigene Begegnung mit diesen jahrtausendealten Figuren schildern – in Texten, Bewegung, Atem und Humor.
Der Schriftsteller Lionel Fournier wird in einer Schreibperformance im direkten Kontakt mit den Stelen einen Text verfassen, welcher dann öffentlich vorgetragen wird. Die Choreografin und Tänzerin Christine D’Andrès wird einen sinnlichen Dialog zwischen den Bewegungen ihres Körpers und der Unbeweglichkeit der prähistorischen Monumente schaffen. Und schliesslich werden Christophe Burgess und Fred Mudry die Besucherinnen und Besucher mit verschiedenen Auftritten überraschen.
Parallel dazu kann das Publikum auf Valeria und auf dem Place Maurice Zermatten dank einer didaktischen Ausgrabungskiste das archäologische Handwerk kennen lernen, Vorführungen ansehen und sich an verschiedenen immersiven Aktivitäten beteiligen.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Vernissage von Néo. Voyage au cœur du néolithique, einem im Infolio-Verlag erschienenen Comic-Spiel für 7- bis 13-Jährige. Der Entwickler und Zeichner Julien Valentini wird persönlich anwesend sein.
Ein ganzes Jahr im Zeichen des Neolithikums
Diese Ausstellung markiert den Anfang einer Zeit, in welcher das Neolithikum im Zentrum der Herausforderungen stehen wird. Von 7. bis 10. Oktober 2026 werden nämlich mehrere Duzend internationale Forschende zu dieser Periode, aus der unsere Gesellschaft hervorgegangen ist, zur Tagung «NEOALPS26» in Sitten zusammenkommen. Zu diesem Anlass wird Professor Marc-Antoine Kaeser, Direktor des Archäologieparks und -museums Laténium in Neuenburg, am Mittwoch, 7. Oktober, um 18.30 Uhr, im Konzert- und Kongresssaal NODA WKB einen öffentlichen Vortrag halten.
Mehr erfahren: Die [Un]Sterblichen: die neolithischen Stelen von Sitten




