Häusliche Gewalt - Gewalt bei älteren Paaren erkennen
Apotheken sind wichtige Orte, um Situationen häuslicher Gewalt zu erkennen und die Opfer an entsprechende Hilfsangebote weiterzuleiten. Dafür wird dem Apothekenpersonal eine digitale Schulung angeboten. Nach einem ersten allgemeinen Trainingsmodul steht im Wallis nun ein zweites, spezialisiertes Modul zur Verfügung, das sich auf ältere Paare konzentriert.
In der Schweiz machen Personen ab 64 Jahren fast 20 % der Bevölkerung aus. Auch sie können häuslicher Gewalt ausgesetzt sein. Diese älteren Opfer wenden sich selten direkt an spezialisierte Hilfsstellen.
Eine nationale Studie, die 2024 von der Haute Ecole de la Santé La Source (HES-SO) und dem «Senior-Lab» (interdisziplinäre Plattform für Innovation und angewandte Forschung im Bereich Lebensqualität älterer Menschen) durchgeführt wurde, zeigte, dass Gewalt häufig bereits ab der Heirat auftritt und sich über mehrere Jahrzehnte hinziehen kann. Der Übergang in den Ruhestand stellt einen Risikomoment dar, der eine bereits bestehende oder latente Gewaltspirale verschärfen kann. Soziale Isolation, Unkenntnis der Hilfsangebote, Scham oder Angst vor den Konsequenzen hemmen die Suche nach Unterstützung zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund spielen die 122 Apotheken im Kanton Wallis eine zentrale Rolle als regionale Anlaufstellen. Sie sind leicht zugänglich und vertrauenswürdig. Das neue Online-Trainingsmodul, das seit dem 1. Februar 2026 verfügbar ist, soll das Apothekenpersonal für die spezifische Problematik der Gewalt in Partnerschaften älterer Menschen sensibilisieren. Ziel ist:
- ein ausreichendes Vertrauensverhältnis zu den Betroffenen aufzubauen, damit diese frei über ihre Situation sprechen können,
- über spezielle Werkzeuge und Kenntnisse zu verfügen, um Gewalt zu erkennen und Betroffene im Hilfsnetzwerk weiterzuvermitteln.
Dieses zweite Modul ist in Deutsch und Französisch verfügbar, kann sowohl als Ergänzung zum ersten Modul genutzt werden als auch einen ersten Zugang zur Thematik darstellen. Es wurde von der Westschweizer Konferenz der Gleichstellungsstellen (egalité.ch) in Zusammenarbeit mit den Kantonsapothekerinnen und Kantonsapotheker der Partnerkantone und der HES-SO entwickelt. Im Wallis wird es in Zusammenarbeit mit der Kantonsapothekerin angeboten.
Die Kosten für die ersten 100 Anmeldungen zum zweiten Modul werden vom Kantonalen Amt für Gleichstellung und Familie (KAGF) übernommen. Zudem werden erneut Plätze für das erste Modul angeboten. Die Anmeldung erfolgt über pharmavalais.
Das erste Modul, das am 1. September 2024 online ging, wurde von rund 100 Personen besucht (22 im Oberwallis, 82 im französischsprachigen Wallis).
Weitere Informationen: www.haeuslichegewalt-vs.ch
