Info Personalmanagement
Berufslehre: Vorhang auf für die Talente von morgen
Jedes Jahr beginnen mehrere Dutzend Lernende ihre Berufsausbildung bei der Kantonsverwaltung. Dabei geht es jedoch um weit mehr als ein reines Ausbildungsangebot: Es geht um echtes Engagement für den Nachwuchs, die Weitergabe von Wissen und den Fortbestand des Service public. Laurie Zufferey und Karen Ruffiner, HR-Spezialistinnen des Staats Wallis und verantwortlich für die Auszubildenden der Kantonsverwaltung, sprechen in diesem Interview offen über die Einstellungspolitik, die Betreuung der Jugendlichen und die bevorstehenden Herausforderungen. Ihrer Meinung nach ist die Kantonsverwaltung im Wettbewerb um neue Arbeitskräfte gut aufgestellt, um junge Menschen auf der Suche nach einer Berufslehre für sich zu gewinnen und auszubilden.
Vis-à-vis: Was hat der Staat Wallis Jugendlichen, die auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, konkret zu bieten?
Der Staat Wallis bietet jedes Jahr ein breites und vielfältiges Angebot an Lehrstellen in über 20 verschiedenen Berufen, darunter Kaufleute, Köche, Landwirte oder LKW-Fahrer. Dies entspricht mehreren Dutzend Lehrstellen pro Jahr, die sich auf einen Grossteil der Dienststellen der Kantonsverwaltung verteilen. Diese Vielfalt ermöglicht es jungen Menschen, sehr unterschiedliche Berufswelten kennenzulernen und sich gleichzeitig in einem gemeinsamen Rahmen weiterzuentwickeln.
Ist die Einstellung von Auszubildenden schwieriger geworden und müssen Sie heute Bewerberinnen oder Bewerber ablehnen?
Die Einstellung von Lernenden ist heute anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren, wie für alle Arbeitgeber im öffentlichen und privaten Sektor. Wir haben in mehreren Berufen einen Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern, was die Suche nach Lernenden schwieriger macht. Unsere Priorität bleibt jedoch dieselbe: Wir suchen motivierte, neugierige junge Menschen, die bereit sind, sich auf eine hochwertige Ausbildung einzulassen. Angesichts des fehlenden Nachwuchses arbeiten wir auch daran, unsere Sichtbarkeit als Arbeitgeber zu stärken, unsere Trümpfe besser hervorzuheben und junge Menschen bei ihrer Berufsfindung zu begleiten, um ihre Berufung zu wecken und den Nachwuchs von morgen für uns zu gewinnen.
Ist die Personalsuche im öffentlichen Dienst einfacher als in der Privatwirtschaft?
Nicht unbedingt. Wir stehen vor denselben Herausforderungen wie die Privatwirtschaft, insbesondere in Berufen mit grosser Nachfrage. Allerdings stellen wir tatsächlich ein wachsendes Interesse am öffentlichen Dienst fest – insbesondere aufgrund der Stabilität, Betreuungsqualität und der als sinnstiftend wahrgenommenen Tätigkeit, nicht zuletzt wegen der Möglichkeit, sich aktiv für die Bevölkerung einzusetzen.
Der Verwaltung sagt man manchmal nach, sie sei langsam und bürokratisch. Bekommen Sie das auch zu hören?
Je länger, je weniger, vor allem von Personen, die bereits eine Schnupper- oder Berufslehre bei uns absolviert haben. Dieses Klischee rührt oft von Vorurteilen her. In Wirklichkeit werden unsere Dienststellen stetig modernisiert, die Arbeitsweise wird dynamischer und die Auszubildenden werden in konkrete und vielfältige Aufgaben eingebunden. Sobald sie die inneren Abläufe des Staates kennenlernen, ändert sich auch ihre Wahrnehmung schnell.
Was unternehmen Sie konkret, um dieses Bild zu ändern?
Wir verstärken unsere Sichtbarkeit und kommunizieren mehr über die Realität unserer Berufe und unseres Alltags, eben zum Beispiel durch Interviews wie dieses. Wir zeigen konkret, wie die Verwaltung funktioniert, lassen Lernende ebenso wie Berufsbildner und Berufsbildnerinnen zu Wort kommen und tauschen praktische Erfahrungen aus. So können wir mit Vorurteilen aufräumen und zeigen, dass die Verwaltung modern, menschlich und in ständiger Entwicklung begriffen ist.
Wie werden neue Lernende aufgenommen und wie tragen Sie zur Förderung ihres Werdegangs bei?
Jedes Jahr werden die neuen Lernenden und die Praktikanten und Praktikantinnen der Berufsmaturität mit Ausrichtung Wirtschaft (BM-W) und der technischen Berufsfachschule EPTM zum Welcome Day eingeladen, einem offiziellen Einführungstag und somit ihr Eintritt in die Kantonsverwaltung. Später werden einige Werdegänge im Magazin Vis-à-vis im Rahmen von Videoporträts vorgestellt. Unser Ziel ist es, die Berufslehre ins Rampenlicht zu rücken und der Ausbildung bei der Kantonsverwaltung ein Gesicht zu geben.
Ein weiterer Vorteil des Berufsbildungsangebots: die Zweisprachigkeit.
Genau, wir bieten wöchentlich kostenlose Französisch- und Deutschkurse an der HES-SO Siders an, und zwar für die kaufmännischen Lernenden im 3. Lehrjahr und die Berufsmaturitäts-Praktikanten (BM-W). Das Ziel dabei ist ganz klar, die Zweisprachigkeit zu fördern, Sprachkenntnisse zu verbessern und junge Menschen auf ein anspruchsvolles und offenes berufliches Umfeld vorbereiten.
Sie investieren auch in die persönliche Entwicklung der Lernenden. Was genau bieten Sie ihnen?
Die Lernenden können während ihrer gesamten Ausbildung an mehreren Workshops in französischer Sprache teilnehmen. Diese sind freiwillig, werden vollständig vom Arbeitgeber finanziert und finden während der Arbeitszeit statt. Die aktuellen Themen befassen sich konkret mit Selbstwertgefühl, Prokrastination, Charakterstärken, Lerntechniken, Umgang mit Geld und Vorbereitung auf die berufliche Zukunft.
Die Workshops zu künstlicher Intelligenz und Sucht sind obligatorisch. Können Sie uns mehr dazu sagen?
Die Workshops zu künstlicher Intelligenz und Sucht sind in der Tat beide obligatorisch. Letzterer findet in einem wohlwollenden und interaktiven Rahmen statt und wird gemeinsam mit Sucht Wallis durchgeführt. Ziel ist es, zu sensibilisieren, zu informieren und den Dialog über Risikoverhalten zu fördern. Er richtet sich an junge Menschen und ihre Berufsbildnerinnen und Berufsbildner und soll ihnen Orientierungshilfen, Hilfsmittel und Ressourcen an die Hand geben, um sowohl in ihrem beruflichen als auch in ihrem privaten Leben verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.
Sie beziehen sich hier auf die Berufsbildnerinnen und Berufsbildner, welche die Lernenden während ihrer gesamten Ausbildung begleiten. Wer sind diese Personen?
Die Betreuung unserer jungen Lernenden steht für uns an erster Stelle. Der Staat Wallis setzt daher auf gut geschulte Berufsbildnerinnen und Berufsbildner. Diese arbeiten in derselben Dienststelle wie die Lernenden und absolvieren einen obligatorischen Kurs, der durch zielgerichtete Weiterbildungen ergänzt wird. Das Know-how wird unter den Berufsbildnern ausgetauscht, insbesondere in den Ausbildungsmodulen «Ihre Aufgaben» und «Ihr Alltag» sowie in den Berufsbildnerkreisen. Ihr Engagement ist von unschätzbarem Wert und wird vom Staat auch anerkannt und geschätzt.
Lernende und Berufsbildner bilden also sozusagen eine eigene Gemeinschaft innerhalb der Verwaltung?
Ja, es entsteht eine echte Community. Die Lernenden treffen sich beim Einführungstag, bei Workshops und gemeinsamen Veranstaltungen. Auch die Berufsbildner tauschen sich untereinander aus. Das schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit und fördert den Zusammenhalt.
Das Bild eines jungen Menschen, der sich auf einem «grossen Schiff» verloren fühlt, ist also völlig falsch?
Ja, davon sind wir weit entfernt: Bei uns profitiert ein Lernender von einer umfassenden Betreuung durch einen engagierten Berufsbildner, der dafür geschult wurde, zu begleiten, zu vermitteln und zu unterstützen. Mit anderen Worten: Selbst auf einem grossen Schiff segelt man nie allein: Der Kurs ist vorgegeben und die Überfahrt wird stets begleitet.
Sie haben eine besondere Tradition für Lernende am Ende ihrer Ausbildung. Wie sieht diese aus?
Ja, genau, kurz vor den Prüfungen erhalten alle Lernenden ein personalisiertes Biscuit mit einer motivierenden Botschaft zur Unterstützung. Eine Kleinigkeit, die aber vor einem so wichtigen Schritt sehr geschätzt wird.
Und wenn sie ihre Prüfungen bestehen?
Bei erfolgreichem Bestehen der Prüfungen erhalten die Lernenden ein offizielles Glückwunschschreiben und einen Bonus von 200 Franken, der mit dem letzten Lohn ausgezahlt wird. Die Besten erhalten zusätzlich eine Prämie von 400 Franken, mit welcher der/die beste Lernende und die besten Praktikanten BM-W und EPTM des Kantons belohnt werden.
Zu guter Letzt: Was ist die grösste Herausforderung für den Kanton Wallis in den nächsten Jahren im Bereich der Berufsbildung?
Zu guter Letzt: Was ist die grösste Herausforderung für den Kanton Wallis in den nächsten Jahren im Bereich der Berufsbildung?