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Zu Besuch in Bourg-St-Pierre

Geschichtsträchtiges Tor zu Italien

«In Bourg-St-Pierre lässt es sich gut verweilen», sagt Fabrice Ançay. Der agrartechnische Mitarbeiter der Dienststelle für Landwirtschaft lebt seit einigen Jahren in der letzten Ortschaft im Val d’Entremont vor dem Grossen St. Bernhard, beziehungsweise vor dem Tunnel. «Die meisten Bewohner, die weder im Rentenalter sind noch bei der Tunnelgesellschaft, bei der Elektrizitätsgesellschaft oder in der Hotellerie arbeiten, fahren tagein tagaus im Morgengrauen in die Talebene zur Arbeit und kehren abends wieder zurück.» Nichtsdestotrotz ist er überzeugt, dass sich die 180 Einwohner von Bourg-St-Pierre dort zu Hause fühlen und das Dorf um fast nichts in der Welt verlassen würden.

Bourg St-Pierre lade durch seine Lage am Fusse des Mont-Vélan, des Grand-Combin oder des Combin de Valsorey zum Wandern oder zu herrlichen Skitouren ein. «Aber auch Sportevents wie der Trail du Vélan und der Ultra Trail Verbier – St-Bernard oder die Sommerkonzerte am Pass und in der Kirche, die Veranstaltungen während der Fasnacht, am Nationalfeiertag oder an Weihnachten sowie die Hundeschlittenfahrten auf dem Pass sorgen für Abwechslung», findet der passionierte Naturgänger. Er selbst lebt seine Leidenschaft etwa bei Wanderungen entlang der Dranse oder bei Besteigungen majestätischer Berge aus.

Auch im Bereich der Landwirtschaft sei der Ort nicht zu vernachlässigen. «Die beiden ganzjährig betriebenen Höfe und die zehn im Umkreis liegenden Alpen tragen an der Erhaltung der Landschaft bei und verwandeln Rohstoffe in köstliche lokale Produkte», verrät Fabrice Ançay mit Stolz. Die Region sei überdies bekannt für die besonders reichhaltige Fauna und Flora. Der 1889 gegründete Alpengarten «La Linnaea» zeige im Sommer einen schönen Querschnitt durch die bunte Alpenflora.

 

Spuren aus vergangenen Zeiten

Viele Bauwerke, unter anderem der tausend Jahre alte und somit älteste Glockenturm im Wallis, eine restaurierte Mühle oder ein unter der Herrschaft von Karl dem Grossen erbautes Kloster sowie der römische Meilenstein am Fusse des Glockenturms aus dem 4. Jahrhundert widerspiegeln die reiche Geschichte des Dorfes. «Neben Pilgern, Reisenden und Händlern hat am 20. Mai 1800 auch Napoleon Bonaparte in Begleitung von 40'000 Mann die Passhöhe überquert», erzählt Fabrice Ançay. Und auch Hannibal soll mit seinen Elefanten auf der Durchreise einen Halt in Bourg-St-Pierre eingelegt haben. Heutzutage bevorzugen die meisten Reisenden nach Italien den schnelleren Weg durch den 1964 eröffneten Tunnel.

 

Zur Gemeinde gehört im Übrigen auch der Grosse-Sankt-Bernhard-Pass sowie das Hospiz auf der Passhöhe. Dieses hat der Heilige Bernhard von Aosta im 11. Jahrhundert gegründet. Vor etwa 300 Jahren entstand dort die berühmte Zucht von Bernhardinerhunden. Barry, der zwischen 1800 und 1812 ungefähr 40 Menschen das Leben gerettet haben soll, ist wohl der bekannteste dieser Vierbeiner.

 

 

 

 

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