ReportageBereit für den Sommer

Sommerzeit ist Reisezeit

Im kleinen Warteraum im Ausweiszentrum in Sitten warten mehrere Personen geduldig auf ihren Termin oder darauf, dass einer der beiden Schalter frei wird. Die Mitarbeiter dort haben dieser Tage wieder alle Hände voll zu tun. Mit der bevorstehenden Ferienzeit häufen sich die Bestellungen von Reisepässen und Identitätskarten. Im letzten Jahr liessen sich etwa 35’000 Walliser neue Reisedokumente ausstellen. Nicht selten kommt es dabei vor, dass die Mitarbeiter als Retter in der Not auftreten. Denn das Sittener Passbüro verfügt über einen Spezialdrucker, mit dem provisorische Reisepässe selbst erstellt werden können. «Dieses Jahr gab es vor Ostern bereits einen ersten Ansturm. In dieser Zeit haben wir neben den regulären Bestellungen gut zehn solcher provisorischer Passanträge pro Tag behandelt», sagt die Leiterin des Ausweiszentrums Katja Häsler. Weshalb es so viele waren, sei schwer zu sagen. «Ich vermute, viele haben sich spontan dazu entschieden, an Ostern irgendwohin zu verreisen und vom verlängerten Wochenende zu profitieren.» Da es für die Identitätskarte kein Provisorium gebe und diese bei zahlreichen Personen ebenfalls abgelaufen sei, brauche es dann selbst für einen kurzen Städtetrip in Europa einen Notpass.

 

 

 

 

Ein provisorischer Pass kann sehr kurzfristig, bis einen Tag vor Abreise, ausgestellt werden. «Wir brauchen dafür eine Reisebestätigung, auf der das Datum der geplanten Reise gut ersichtlich ist. Denn ein Notpass ist jeweils nur während der anstehenden Reise und maximal zwölf Monate gültig», erkärt Häsler. «Es ist wichtig zu wissen, dass dieser nicht von allen Reiseländern akzeptiert wird. Die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Philippinen und Katar erkennen diesen nicht an.» Es liege daher in der Eigenverantwortung jedes einzelnen, sich bei der entsprechenden Botschaft oder im Reisebüro über die gültigen Einreisebestimmungen des Ziellandes zu informieren.

 

Die Arbeit im Ausweiszentrum gestaltet sich abwechslungsreich und interessant. Denn die Mitarbeiter machen stets einen Turnus. Sie arbeiten teils am Schalter, um die Identität der Antragssteller zu überprüfen und die Gebühren einzukassieren, begleiten Kunden bei der Erfassung der biometrischen Daten oder vereinbaren telefonisch Termine.

 

 

 

 

 

Praktikantin Elmedona Ismajli erfasst gerade die Daten eines Kunden. Routiniert gibt sie der Person, die soeben im Fotoautomaten Platz genommen hat, Anweisungen. Mittels einer Kamera kann sie überprüfen, ob Sitzposition und Höhe stimmen und ob die Fingerbeeren für den Abdruckscan richtig platziert sind. Der Kunde gibt sich gleich mit dem ersten Foto zufrieden. Danach muss er sämtliche Angaben wie Name, Grösse und Heimatort nochmals auf dem Bildschirm in der Kabine überprüfen und diese direkt auf diesem zur Bestätigung unterschreiben. Sobald Ismajli den Bestätigungsknopf drückt, werden die Daten an eine Firma in Bern geschickt, wo die Pässe innerhalb von maximal zehn Arbeitstagen dann produziert und dem Kunden zugeschickt werden.

Seit der biometrische Pass im Jahr 2010 eingeführt wurde, muss die Kundschaft erstmals entweder online oder telefonisch einen Termin vereinbaren. «Für gewöhnlich bietet sich schnell ein freies Zeitfenster im Kalender an. In der Hochsaison, besonders vor Ostern und im Juni, kann es allerdings bis zu zwei Wochen dauern», führt Häsler weiter aus. «Besonders an Montagen läuft immer viel. Die Walliser schmieden am Wochenende wohl gerne Ferienpläne und nehmen diese zum Wochenbeginn konkret in Angriff», meint Zentrumsleiterin Katja Häsler. Das Team sei aber stets bemüht, die Termine so zu richten, dass der Kunde trotz allem rechtzeitig verreisen kann. «Bisher konnten wir noch jeden in die Ferien schicken», erzählt Häsler mit einem Lächeln. Es sei auch schon vorgekommen, dass ihnen Kunden als kleines Dankeschön für all die Bemühungen eine Postkarte aus ihrem Urlaub geschickt hätten.

 

 

Bisher konnten wir noch jeden in die Ferien schicken.

 

Unterwegs im Dienste der Sauberkeit und Gesundheit

Guy Défayes kniet am Beckenrand und misst mit einem Thermometer die Wassertemperatur. Angenehme 27 Grad zeigt dieses an. Sorgfältig trägt er die Ziffer in eine Liste ein. Anschliessend entnimmt er aus dem 17 Meter langen und acht Meter breiten Schwimmbad mehrere Wasserproben. Diese wird er gleich auf ihre Qualität und Sauberkeit testen. Défayes ist der kantonale Badewasserinspektor bei der Dienststelle für Verbraucherschutz und Veterinärwesen. Rund 270 Einrichtungen mit Badeanlagen, insgesamt 500 Becken, gibt es im Kanton Wallis. Je nach Grösse und Rhythmus kontrolliert er diese ausführlich zwischen einmal jährlich und alle fünf Jahre. Damit die Badegäste gerade im Sommer ohne Bedenken vom kühlen Nass profitieren können, herrscht bei ihm im Mai und Juni Hochbetrieb.

 

 

 

 

Heute steht bei Guy Défayes eine gründliche Inspektion eines Schwimmbads in einer Ferienanlage an. Es geht um die Verlängerung der Betriebsbewilligung. Dafür hat sich der Inspektor bereits in den Garderoben inklusive Duschen und Toiletten sowie im Technikraum genauer umgesehen. Abgesehen von leicht verkalkten Duschköpfen und einer unsachgemässen Lagerung der Desinfektionsmittel gibt es in diesen Bereichen keine grösseren Beanstandungen. Damit auf seinem Rundgang nichts vergessen geht, hält sich Défayes an seine 14-seitige Checkliste. Gemäss dieser hat er zuvor ausserdem sämtliche Beschilderungen sowie Warn- und Haftungshinweise auf deren Vorhandensein, beziehungsweise Korrektheit überprüft.

Nun steht die Analyse der Wasserproben an. Aus seinem Messgeräte- und Chemikalienkoffer entnimmt Guy Défayes ein Produkt, von dem er drei Tropfen den Wasserproben hinzufügt. Bewegt sich der Chlorwert im Schwimmbad innerhalb der vorgeschriebenen Normen, färbt sich die Flüssigkeit. Und tatsächlich, nach kräftigem Schütteln wird die Lösung rosa.

 

 

 

Nicht das gewünschte Resultat erzielt hingegen der zweite Test. Der Säuregehalt, also der PH-Wert, liegt unter dem in der Verordnung über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen angegebenen Mindestwert. Deshalb ordnet der Badewasserinspektor die sofortige Schliessung der Schwimmanlage an. «Wir halten uns in solchen Fällen genau an die Vorgaben», erklärt Défayes. «Ein zu niedriger PH-Wert kann aber im Normalfall durch die Zugabe von Natriumcarbonat rasch wieder behoben werden.» Er wird deshalb in ein paar Stunden zurückkehren und diesen nochmals überprüfen.

 

 

 

Insgesamt hat Guy Défayes für die Kontrolle vor Ort einen halben Tag eingerechnet. Einen weiteren halben Tag hat er bereits mit der administrativen Vorbereitung im Büro zugebracht. Administratives bildet auch den Abschluss seiner Kontrolle. Neben seinem Materialkoffer und einer Kompaktkamera, mit der er alles festhält, hat der Badewasserinspektor stets sein Notebook und einen mobilen Drucker mit im Gepäck. «Ich stelle den Abschlussbericht direkt vor Ort aus. So können die Verantwortlichen diesen sofort unterschreiben und eventuelle Unklarheiten unmittelbar aus dem Weg räumen.» Für gewöhnlich treffe er auf seinen Rundgängen auf kooperative Personen, Anfeindungen gebe es selten bis nie.

 

 

Für gewöhnlich treffe ich auf meinen Rundgängen kooperative Personen. Anfeindungen gibt es selten bis nie.

 

Gerade während der heissen Sommermonate, wenn das Gästeaufkommen hoch ist, ist es umso wichtiger, dass auch die Badegäste ihren Beitrag an der Hygiene leisten. «Erstens gehören Schuhe vor dem Betreten der Anlage ausgezogen. Ausserdem sollte sich jeder ausgiebig vor dem Baden duschen.» Das verhindere, ähnlich dem Händewaschen, dass Reste von Schweiss, Körpercremes oder verschiedene Krankheitserreger ins Wasser gelangen würden.  

 

 

 

Vor dem Baden duschen verhindert, dass Reste von Schweiss, Körpercremes oder verschiedene Krankheitserreger ins Wasser gelangen.

Aus dem Alltag einer Zivilstandsbeamtin

«Sie dürfen die Braut jetzt küssen.» Ein Satz, den man zu gut aus kitschigen Hollywoodfilmen kennt und der jede Hochzeit zu krönen scheint. Ein Satz, der mit dem Alltag der Zivilstandsbeamtin Sandrine Pocobelli nicht viel zu tun hat. «Kein Standesbeamter spricht diesen Satz eigentlich aus. Es ist jedem Ehepaar frei überlassen, ob es sich küssen möchte oder nicht», erklärt sie.

 

 

Der Satz «Sie dürfen die Braut jetzt küssen» hat mit unserem Alltag wenig zu tun.

 

Was Eheschliessungen angeht herrscht auf den Zivilstandsämtern Martinach und Monthey aktuell Hochbetrieb. Am meisten Hochzeiten gibt es im Mai und Juni und dann ab Mitte August bis Mitte Oktober. Bevor ein verliebtes Paar heiraten kann, muss dieses aber ein Verfahren durchlaufen. «Um das Ehevorbereitungsverfahren einzuleiten, muss es bei der zuständigen Behörde ein Gesuch einreichen», erklärt Pocobelli.

 

Dafür ist die persönliche Anwesenheit beider Brautleute erforderlich. Bei dieser Gelegenheit erhält das Paar Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten der Namensführung und zu seinen Bürgerrechten. Sobald das Vorbereitungsverfahren abgeschlossen ist, werden die Brautleute entsprechend informiert, was in der Regel sofort nach Unterzeichnung der Erklärung über die Voraussetzung der Eheschliessung möglich ist.

 

 

Eine zivile Trauung hört sich in erster Linie nach einem Vertragsabschluss zwischen zwei Parteien an und ist an sich eine trockene Angelegenheit. Dem stimmt Sandrine Pocobelli auch zu. «Die Eheleute haben heute in der Schweiz aber die Möglichkeit, wenn sie dies so wünschen, ihrer Zeremonie eine ganz persönliche Note zu geben. So dass die Feier mehr ihren Vorstellungen entspricht», präzisiert sie.

 

 

Jeder Zivilstandsbezirk muss den Paaren mindestens einen offiziellen Raum für die Eheschliessung kostenlos zur Verfügung stellen. In Sandrine Pocobellis Bezirk bieten sich verschiedene Räumlichkeiten in Martinach, Le Châble, Salvan, Saint-Maurice, Monthey, Champéry und Saint-Gingolph an. «Das Datum der Feier ist für die Verlobten meist wichtiger als der Ort der Feier. Aber klar, in einem Schloss zu heiraten ist weitaus bezaubernder als in einem Raum der Verwaltungsbüros», gibt diese zu.

 

 

Es kommt immer wieder mal vor, dass Paare kalte Füsse bekommen.
Dass Paare kalte Füsse bekommen haben, ist gemäss Sandrine Pocobelli auch schon vorgekommen. «Es gibt solche, die noch während des Vorbereitungsverfahrens einen Rückzieher machen, andere sagen die Hochzeitsfeier am selben Tag ab», sagt sie. Und auch dass ein Trauzeuge nicht rechtzeitig da sei komme immer wieder mal vor. «In solchen Fällen darf oft einer der Gäste in letzter Minute diese Rolle übernehmen. Schwieriger wird es, wenn es sich um eine Hochzeit handelt, bei der lediglich das Paar und die Trauzeugen anwesend sind. Dann müssen sie sonst jemanden finden, der einspringen kann.»

Einige Zeremonien sind der Zivilstandsbeamtin sehr nah gegangen, etwa solche, bei denen ein Ehepartner nur noch kurze Zeit zu Leben hatte. Zu ihrem bisherigen Highlight gehört die Hochzeit eines 90-jährigen Paares. «Die beiden hatten aus persönlichen Gründen lange Zeit auf ihre Hochzeit gewartet. Das war wirklich ein unvergesslicher Moment», schwärmt sie. Und auch wenn sie schon zahlreiche Paare verheiratet habe, sei es für sie immer noch bewegend, den besonderen Moment der Eheschliessung mit dem Brautpaar zu teilen.

 

Es ist immer noch bewegend, den Moment der Eheschliessung mit dem Brautpaar zu teilen.
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