Medienmitteilung

Arbeit und Gesundheit im Wallis - Aktuelles Bild zur Anpassung der Prävention

08/06/2020 | Dienststelle für Arbeitnehmerschutz und Arbeitsverhältnisse

Der Kanton Wallis hat den Gesundheitszustand der Erwerbstätigen und die Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, eruiert. Der Bericht des Walliser Gesundheitsobservatoriums (WGO), Arbeit und Gesundheit im Wallis, wurde im Auftrag des Departements für Gesundheit, Soziales und Kultur (DGSK) erstellt. Daraus geht hervor, dass die grosse Mehrheit der Erwerbstätigen im Wallis ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut beurteilt (91 %). Dieser Anteil ist bei den Fachkräften in Land- und Forstwirtschaft, in den Handwerks- und verwandten Berufen sowie bei den Hilfsarbeitskräften etwas tiefer (85 %). Nichtsdestotrotz: Rund jede siebte erwerbstätige Person im Wallis findet, dass die Arbeit ihre Gesundheit negativ beeinträchtigt; jede fünfte hat das Gefühl, bei der Arbeit emotional erschöpft zu sein, was eine der Komponenten von Burn-out ist. Im besagten Bericht werden die häufigsten mechanischen, physikalisch-chemischen und psychosozialen Risiken aufgezeigt. Dadurch können die Prävention und Überwachung angepasst werden.

Die Arbeitsbedingungen beeinflussen den Gesundheitszustand der Erwerbstätigen positiv oder negativ. Berufsbedingte Belastungen können mechanischer, physikalisch-chemischer oder psychosozialer Art sein. Zu den mechanischen Belastungen gehören beispielsweise eine eingeschränkte Körperhaltung, das Tragen oder Verschieben schwerer Lasten oder langes Stehen. Die physikalisch-chemischen Belastungen umfassen insbesondere Vibration, hohe oder niedrige Temperaturen, Lärm und toxische Substanzen. Die psychosozialen Risiken sind sehr vielfältig: hohe Arbeitsbelastung und -intensität, geringer Gestaltungsspielraum, hohe emotionale Beanspruchung, Qualität der sozialen Beziehungen, körperliche oder psychische Gewalt, Angst um die Arbeitsstelle.

Mehr als jede zweite erwerbstätige Person im Wallis (56 %) ist mindestens drei mechanischen oder physikalisch-chemischen Belastungen ausgesetzt. Diese Exposition ist höher als bei den Erwerbstätigen auf gesamtschweizerischer Ebene (46 %). 50 Prozent der Erwerbstätigen im Wallis sind mindestens drei Arten von psychosozialen Belastungen ausgesetzt (Schweiz: 49 %), wobei sich kein nennenswerter Unterschied zwischen den Berufskategorien feststellen lässt. Ein Fünftel der erwerbstätigen Bevölkerung ist von Stress betroffen.

Die Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und in den Handwerks- und verwandten Berufen sind am stärksten mechanischen und physikalisch-chemischen Belastungen, häufig aber auch psychosozialen Risiken ausgesetzt. Im Vergleich zu den Erwerbstätigen aus den anderen Berufskategorien beurteilen sie ihren Gesundheitszustand auch häufiger als weniger gut. Folglich müssen die Präventionsprogramme und die betriebliche Gesundheitsförderung also weiterhin auf diese Berufskategorie ausgerichtet werden.
Zwischen 2002 und 2016 hat die Berufsunfallrate im Wallis von 113 Unfällen pro 1000 Vollzeitstellen (VZS) auf 89 Unfälle abgenommen. Trotzdem liegt diese Rate noch immer über den Schweizer Zahlen (62 Unfälle pro 1000 VZS). Diese positive Entwicklung widerspiegelt das Engagement verschiedener Institutionen im Wallis, die in der Prävention tätig sind – insbesondere der Dienststelle für Arbeitnehmerschutz und Arbeitsverhältnisse (DAA), der SUVA und der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft.

Der Bericht des WGO ermöglicht es, die Belastungen, denen die Erwerbstätigen im Wallis ausgesetzt sind, besser zu verstehen und die Massnahmen in den Bereichen betriebliche Gesundheitsförderung, Prävention und Kontrollen anzupassen. Mehrere Massnahmen wurden bereits ergriffen. In Anbetracht einer stetigen Zunahme an psychischen Problemen, hat die Westschweizer und Tessiner Konferenz der kantonalen Büros für Arbeitnehmerschutz (CRTi) eine Broschüre zuhanden der Betriebe herausgegeben. Darin finden die Betriebe Ansätze, um psychosoziale Risiken effizient zu verhindern und damit umgehen zu können.

Ausserdem haben die Betriebe angesichts eines zunehmenden Mangels an qualifizierten Arbeitskräften, der häufigeren Stellenwechsel der jüngeren Generationen und der anstehenden zahlreichen Übertritte in den Ruhestand ein immer grösseres Interesse daran, gute und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu bieten. Präventionsansätze wie der Einbezug der Beschäftigten, eine dynamische Gestaltung des Übertritts in den Ruhestand zur Verbesserung des Wissenstransfers sowie die Beibehaltung einer regulierenden Funktion der Arbeitszeiterfassung wirken sich laut Studien positiv aus.

Der Bericht ist auf der Website des WGO (www.ovs.ch) verfügbar.
Die Broschüre der CRTi kann auf der Website der DAA heruntergeladen werden (https://www.vs.ch/de/web/spt).