Medienmitteilung

Fahrgemeinschaften haben im Wallis Potenzial

19/06/2017 | Dienststelle für Mobilität

Während zwei Jahren gab es in zwei Regionen des Wallis die Möglichkeit, das Mitfahrnetzwerk PubliRide zu nutzen und damit neue Formen der Mobilität zu testen. Hinter dem Pilotprojekt, der Ende Juni abgeschlossen wird, standen PostAuto, der Kanton Wallis und die Chablais Region.

Zwei Jahre nach Einführung beenden die beteiligten Partner das Pilotprojekt PubliRide Wallis Ende Juni 2017 wie geplant. Die Nutzung von PubliRide war sehr einfach: Mithilfe der flinc-App auf dem Smartphone oder auf der entsprechenden Website suchte oder offerierte man Mitfahrangebote. Bei einer Übereinstimmung erhielt man automatisch Vorschläge für die gewünschte Strecke und Fahrzeit. Aber PubliRide war mehr als eine reine Mitfahrplattform: Zusätzlich zu Mitfahrangeboten wurden auch öV-Verbindungen für die gewünschte Strecke zu einer bestimmten Zeit angezeigt. Das Angebot gab es für die Gemeinde Vionnaz (PubliRide Vionnaz) sowie für das Gebiet der vier Gemeinden Ayent, Arbaz, Grimisuat und Savièse (PubliRide Lienne-Morge). PostAuto, der Kanton Wallis und die Chablais Region führten das PubliRide-Projekt im Wallis gemeinsam durch. Das Transportunternehmen hat das System eingeführt und basierend auf der Internetplattform der Firma flinc GmbH, der deutschen Entwicklerin und Betreiberin des Mitfahrnetzwerks, je einen speziellen Zugang für die beiden Walliser Testgebiete eingerichtet. Diese Zugänge werden Ende Juni 2017 aufgehoben. Die Nutzerinnen und Nutzer wurden bereits über den Abschluss des Pilotprojekts informiert.

Die Fahrgemeinschaft als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr

Das Projekt lieferte wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von Mitfahrdiensten. Es stiess Diskussionen an und ermöglichte einen Austausch über die Möglichkeiten von neuen Formen der Mobilität. Eine zentrale Erkenntnis ist, dass es im Wallis ein gewisses Potenzial für Fahrgemeinschaften gibt. Insbesondere die Bewohnerinnen und Bewohner der vier Gemeinden oberhalb von Sitten schlossen sich regelmässig zu Fahrgemeinschaften zusammen, um ins Tal oder zurück in ihre Wohnorte zu gelangen. PubliRide stellte damit eine praktische Ergänzung zum öffentlichen Verkehr dar. Der Test zeigte, dass es insbesondere während den Pendlerzeiten Potenzial gibt für die Bildung von Fahrgemeinschaften.

Interesse an Fahrgemeinschaften oberhalb von Sitten

Nach der zweijährigen Testphase waren die Nutzerzahlen nicht so hoch wie erhofft (PubliRide Lienne-Morge: 208 registrierte Mitglieder / PubliRide Vionnaz: 81 registrierte Mitglieder). Dennoch: Die regelmässige Benutzung von PubliRide zeigt, dass es Walliserinnen und Walliser unterschiedlichen Alters gibt, die gerne von solchen Diensten Gebrauch machen. Besonders prädestiniert für Fahrgemeinschaft sind die Verbindungen aus den vier Gemeinden Savièse, Grimisuat, Ayent und Arbaz nach Sitten. Zudem leistet diese Art von geteilter Mobilität einen Beitrag, um stark befahrene Hauptverkehrsachsen zu entlasten. Im Mai 2017 beispielsweise haben die Nutzerinnen und Nutzer von Publiride Lienne-Morge 330 Angebote und 591 Anfragen für eine Fahrgemeinschaft gemacht – und das fast ausschliesslich werktags. Dies sind pro Tag im Durchschnitt 11 Angebote und 20 Anfragen für einen Mitfahrdienst.

Eine Frage der Zeit

Allerdings wurde auch klar, dass der Aufbau eines Mitfahrnetzwerkes Zeit braucht und dass einige Gemeinden wohl zu klein sind, damit der Betrieb einer solchen Plattform langfristig erfolgreich ist. Zudem ist eine intensive und regelmässige Bewerbung erforderlich, um genügend Beteiligte (Fahrerinnen und Fahrer sowie Mitfahrerinnen und Mitfahrer) zu gewinnen.

Nächste Schritte

Die Partner des Mobility Lab haben beim Labor für urbane Soziologie der ETH Lausanne eine Studie in Auftrag gegeben, um die Erkenntnisse aus dieser Testphase zu verwerten. Unter anderem wird untersucht, welche Erwartungen die Nutzerinnen und Nutzer von PubliRide hatten, welche Erfahrungen sie gemacht haben, was die Erfolgsfaktoren für Fahrgemeinschaften sind und welche Alternativen zum öffentlichen Verkehr bestehen. Auf Basis dieser Ergebnisse evaluieren Sitten und der Kanton Wallis in Zusammenarbeit mit PostAuto Möglichkeiten für ein neues Mitfahrangebot, das eventuell durch Anreize begleitet wird.